Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 24 (1912)
- Issue
- 1/2 (Januar/Februar 1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 7)
- Language
- German
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4 In der von einem ungenannten Herrn tim Namen Zahlreicher eingesendeten Zuschrift heißt es unter anderem: „Um der Abfallbewegung zu steuern., wollen wir deutschen Juden daher verlangen, daß der Religionsunterricht auf rein deutscher Grundlage nur bis zur vierten Klasse der 'Mittelschule erteilt und daß es jedem freigestellt werde, den hebräischen Unterricht zu besuchen oder nicht; er möge nur für diejenigen, die ihn anstreben, bestehen, für die übrigen jedoch unobligatorisch sein. Dann wird die nächste Generation mit Liebe und Lust bei der Sache sein und sich eher unter das Banner des Judentums scharen, statt ins andere Lager zu fliehen.“ Wieso der gänzliche Ausfall des Religionsunterrichtes von dem Lebensalter an, wo jene Reife des Geistes, welche zum Erfassen unserer erhabenen Religionswahrheiten erforderlich ist, erst beginnt, dazu beitragen könnte, daß sich die nächste Generation um das Banner des Judentums schart, wird nicht begründet, unjd zwar mit Recht, weil sich dafür nicht einmal ein Scheingrund Vorbringen ließe. Weitläufig erörtert wird die Forderung, daß das Hebräische nicht als obligatorisch gelehrt werde. Das den Unterzeichnern in der Studienzeit zum Absolvieren gegebene Pensum unserer Bibelsprache kann unmöglich ein gar großes gewesen sein, und sie dürften zu seiner Bewältigung kaum ernstliche Anstrengungen gemacht haben, sonst könnten sie nicht auf sich anwenden lassen oder von sich sagen: „Wir können heute nicht mehr die jüdischen Schriftzeichen erkennen, selbst die unter Drill auswendig gelernten Sätze wie das „Schema“ und die Brochen, stoßen auf Schwierigkeiten, geschweige daß wir noch in der Lage wären, uns deren Sinn, deuten zp können.“ Die Herren haben wahrlich nicht viel vergessen und wollen, weil sie auch das wenige Hebräisch, das einfache Lesen, als Last empfunden, die liebe Jugend, welche in den Mittelschule[n dAirch jdie obligaten Fächer, wie Französisch, Englisch, [Lateinisch, Griechisch genug belastet und für das praktische [Leben keine Nutzanwendung des Hebräischen kennt, davon ganz entlasten. Der Wortführer verschließt sich wohl nicht der Einwendung, daß gerade das Hebräische das Bindeglied ‘ist, welches heute die Judenschaft hoch zusammenhält, stellt sich jedoch für die Zukunft ein anderes Bindemittel des Judentums vor und sagt: „Wir wollen als ein großer, die Welt umspannender „Verein der Wohltätigkeit unseren in dien ärmsten Verhältnissen lebenden Glaubensbrüdern in Rußland, Galizien, Rumänien usw. hilfreich zur Seite stehen. In einem solchen Vereine wollen wir Zusammenhalten.“