Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 24 (1912)
- Issue
- 1/2 (Januar/Februar 1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Mon&tscLx ift 4ei ' lerreichisch-Israelitischpd UnN Nr. 1—2. Wien, Jänner-Februar 1912 An unsere geehrten Mitglieder und Leser. Wir bitten, bei Testamentserriehtungen, Tempelspenden, Familienereignissen, Gewinsten etc. das Rechtsehutzbureau der „Oesterreichisch-Israelitischen Union“ zu bedenken. Die Wiener Gemeinderatswahlen. Die große Ueberraschung der Juniwahlen war die Niederwerfung der christlichsozialen Partei in Wien und den niederösterreichischen Landstädten, so daß sie gegenwärtig im Reichsrat eine ausschließliche Bauernpartei darstellt. Seitdem hat der Abfall der kleinbürgerlichen Wählerschichten von den christlichsozialen Führern, die auf Kosten der städtischen Bevölkerung sich bereichert haben, weitere Fortschritte gemacht, und ginge es ehrlich zu, dann müßten die im April bevorstehenden Gemeinderatswahlen des vierten und zweiten Wahlkörpers diese Frevler am Volksrecht und Volksvermögen auch von jener Stätte wegjagen, wo die tiefsten Wurzeln ihrer Macht liegen, aus dem Wiener Rathause. Aber die Voraussetzungen der Reichsratswahl im Juni 1911 und der Gemeinderatswahl im April 1912 sind nicht die gleichen. Denn die letzteren vollziehen sich nicht nach dem Grundsätze des allgemeinen Wahlrechtes. Im vierten Wahlkörper tritt durch die dreijährige Seßhaftigkeit eine wesentliche Verringerung dieser allgemeinen Wählerklasse ein, abgesehen davon, daß dieselbe nur eine verhältnismäßig geringe Zahl von Vertretern in die Gemeindestube zu entsenden hat. Im zweiten Wahlkörper aber tritt nur ein Teil der Gesamtwählerschaft,, und zwar ein vop den Christlichsozialen sorglich gesiebter und gesichteter Teil auf den Plan. Hier wählen alle Bürger von Wien, die in den letzten Jahren geradezu fa briksmäßig vermehrt wurden, ferner alle Beamten und Lehrer, alle akademisch Graduierten und endlich jene, die mindestens 40 K. an Erwerb- oder Einkommensteuer zahlen. Aus der Stimmung der Wählermassen, die bei der Reichsratswahl zur Urne gingen, läßl sich naturgemäß kein sicherer Schluß auf die Partei-