Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 23 (1911)
- Issue
- 11 (11.1911)
- Date
- 1911-11-01
- Page
- Seite 34 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9756662-9604407-9604408--2297-9604450- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
34 ihre vollkommene Haltlosigkeit ergeben hatte. — Am nächsten Tage fand sich bei Salomon Finkeistein ein junger Mann ein, der sich als Sekretär des Advokaten Niculeseu-Scartzan vor-' stellte und ihm sagte, daß dieser Advokat, weil er von Park! nicht bezahlt worden sei, geneigt Wäre, alle weiteren Angriffe einzustellen, wenn Finkeistein ihm eine gewisse Geldsumme gebe. Wenn aber Finkeistein sich weigere, so werde Niculescu-Scartzan die Campagne mit aller Erbitterung fortsetzen, werde in der „Liga Antisemita“ Artikel veröffentlichen und werde sogar Versammlungen einberufen und in dieser Weise die Justiz zwingen, sich mit dieser Sache zu beschäftigen. Finkeistein sagte dem Manne, er solle am Nachmittag um 5 Uhr kommen. In der Zwischenzeit beriet sich Finkeistein mit mehreren Bekannten, die ihm den Rat gaben, sich an die Polizei zu wenden. Die Anzeige wurde an den Chefinspektor der Kriminalpolizei erstattet, der seinerseits den Kommissär Dragomirescu beauftragte, den Advokaten Scartzan und dessen Sekretär womöglich auf frischer Tat der Erpressung zu ertappen. Es vergingen einige Tage und weder der Advokat Scartzan noch sein Sekretär fanden sich bei Finkeistein ein. Samstag den 4. November abends erschienen beide bei Finkeistein, der sie in ein Zimmer führte, während sich in einem andern Zimmer, dessen Türe halb offen war, zwei Polizeiagenten versteckt hielten. Der Advokat verlangte von Finkeistein 1000 Frs., da er sonst die Campagne fortsetzen und in der Frage des rituellen Verbrechens öffentliche Versammlungen einberufen werde. Finkeistein, der von der Polizei verständigt war, was er zu tun habe, begann zu handeln und verständigte sich mit dem Advokaten schließlich darin, daß er ihm 600 Frs. geben solle. Dann zog er aus der Tasche 200 Frs. in Banknoten von je 20 Frs., die er dem Advokaten übergab. Nicueiseu-Scartzan, der nicht bemerkte, daß die Banknoten sowohl von Finkeistein als auch von der Polizei mit einem Zeichen versehen worden Waren, steckte das Geld ein und ging weg. Kaum aber hatte er ein paar Schritte gemacht, als die Agenten aus ihrem Verstecke heraustraten und sowohl ihn, als auch seinen Sekretär, der ihn begleitete, festnahmen und auf die Polizei führten. Nicolescu-Scartzan erklärte, daß er bloß die Weisungen Park’s ausgeführt habe, der von Salomen Finkeistein eine Geldsumme verlangt habe, um auf jede Prozeßklage gegen ihn zu verzichten. Park, der zur Polizei gerufen wurde, erzählte aber, daß sich Niculescu-Scartzan bei ihm eingefunden und ihn gebeten habe, bei der Polizei auszusagen, daß er, Park, es gewesen sei, der ihn zu Finkeistein geschickt habe, um sich gegen eine gewisse Geldentschädigung mit ihm auszusöhnen. Park fügte hinzu, daß der Advokat Niculescu-Scartzan es gewesen sei, der ihn von allem Anfang