Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 23 (1911)
- Issue
- 11 (11.1911)
- Date
- 1911-11-01
- Page
- Seite 29 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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29 führerin fallen sollten, kein Vermögen, nicht einmal so viel, um den ersten Schahbes damit zu machen, und so wurde es besagtem Berl Schadchen ein Leichtes, den ebenfalls unbemittelten Markus zu überreden, anstatt mit Hindel Kafka mit der Köchin des reichen Randaren2) Schik unter den Trauhimmel zu treten. Der Ränder hatte die Beobachtung gemacht, daß sein Sohn mit der blutjungen Köchin liebäugle, und da kam es ihm auf ein paar Gulden nicht an, um die gefährliche Schöne an den Mann und somit aus dem Bereiche seines Sohnes zu bringen. „Da wir keine Aufbietungen hatten und keine Papiere,“ so schloß der Bräutigam seine Erzählung, „so haben wir uns um Lagbeomer auf jüdische Art trauen lassen, und erst später, als alles in Ordnung war, auf bürgerliche Art.“ „Und was sagte Ihre verlassene Braut, Base Hindel dazu?** frug ich. „Nun, recht wird es ihr nicht gewesen sein, das kann man sich denken, aber da sie sich der Randar statt meiner Mirl ins Haus genommen hat, wo sie einen guten Posten als Köchin hatte, so hat sie sich bald getröstet. Sie hat es kehr gut gehabt und ist ledig geblieben. Der Randar ist dann gestorben und sie hat sich mit den paar Gulden, was sie dort erspart hat, unter den Bäuerinnen mit Hausieren ernährt. Ich habe mit meinem verstorbenen Weib gelebt, alle jüdischen Kinder gesagt, sie sollen sich so gerne haben, wie wir zwei, aber vor Passah hat sie eine Lungenentzündung bekommen und ist gestorben. Da ich nicht allein bleiben kann, so habe ich mich an meine alte Liebe erinnert und habe zu ihr geschickt fragen, ob sie mich jetzt will, und da hat sie j a gesagt. Ich bin gleich in die Killeh gegangen, h'ab’ die Aufbietungen bestellt und den Herrn Rabbiner das Kiduschen mechabed3) gewesen. Heute nun komme ich ihn abholen, wie wir es verabredet hatten. Aber da hatte ich Malheur. Oder eigentlich“, fügte er wie sich entschuldigend bei, „ist es alles eins, Chuppe und Kiduschin gilt von dem wie von dem.“ Ich nickte dem redseligen Bräutigam nur stillschweigend' Beifall zu, da ich inzwischen schon im Geiste die Traurede, die ich halten wollte, zusammenstellte. Die 40 Jahre, welche Jungfrau Hindel auf ihre Vereinigung mit ihrem Jugendgeliebten warten sollte, verglich ich mit der vierzigjährigen Wanderung, Israels durch die Wüste zum gelobten Lande. Sämtliche Honoratioren des Dorfes waren zur Trauung des allbekannten, wohlgelittenen alten Paares erschienen, vom *) Randex, verkürzt von Arrendator, Pächter. 3) Die Trauung verehrt. Ein damals gebräuchlicher Ausdruck.