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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1911-11-01 · 11 (11.1911) · p. Seite 30

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
23 (1911)
Issue
11 (11.1911)
Date
1911-11-01
Page
Seite 30 (sequence 42)
Language
German
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30 Pfarrer und Schullehrer angefangen bis zum Gastwirt und Hufschmied. Die Bauern feierten diese Hochzeit und brachten Blumen mit und Früchte, sowie lebendes Geflügel und andere Viktualien in Menge. Die Neuvermählten strahlten in Wonne, ihr Glück schien festgefügt, gefeit gegen Unglücks Macht zu sein. So schien es. Die Folge aber lehrte, daß der Schein trügt. Einige Monate später erhielt ich von dem Kreisrabbinate die Einladung, als Beisitzer bei einer Ehescheidung zu fungieren. Zu diesem Zwecke mußte ich mich in die einige Meilen entfernte Kreisstadt begeben, welche ihrer geographischen Lage nach zu einem so wichtigen und gar traurigen Akte geeignet war. Als ich mit meinen Kollegen das Schulzimmer betrat, woselbst dieser Akt vollzogen 'werden sollte, waren bereits die beiden Zeugen und der Safox anwesend, während in dem Nebengemache das zu scheidende Ehepaar unser wartete. Wer beschreibt mein Erstaunen, als ich die beiden Alten erkannte, die ich vor wenigen Monaten getraut hatte. Die junge Frau war es, welche dringend die Lösung ihrer Ehe verlangte, während der Glaser sie noch immer bat, ihn in seinen alten Tagen nicht zu verlassen und bei ihm auszuhalten. Auf meine Frage, was sie denn gegen ihren Mann habe, antwortete sie: „Nichts, gar nichts,' aber ich habe mir den Ehestand ganz anders vorgestellt, sonst hätte ich in diesem Alter nicht geheiratet.“ Dagegen ließ sich nichts tun, und gerne oder ungerne mußte sich der Glaser bequemen, seiner Gattin, die volle vierzig Jahre auf ihn gewartet hatte, den Scheidebrief zu übergeben. Indessen hatte sich Meister Glaser gar bald getröstet. Nach kurzer Zeit lag er wieder in Hymens Rosenketten, und zwar war es ein Mägdelein von kaum 24 Jahren, welches die von Frau Hindel unwillig abgeschüttelte Ehefessel geduldig auf sich pahm. Diese Trauung habe wohl nicht ich vollzogen, sondern mein geehrter Kollege aus Neu-Z., der inzwischen von seinem Leiden genesen war. So war nach kaum einem Jahre seit Mirls Tode deren Gatte aus einem betrübten Witwer ein glücklicher Bräutigam geworden, dann ein geschiedener Ehemann und endlich der glückliche Gatte einer jungen hübschen Frau. Mehr kann man doch in so kurzem Zeiträume von einem Manne in diesem Alter nicht verlangen! (Schluß folgt.)

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