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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1911-11-01 · 11 (11.1911) · p. Seite 27

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
23 (1911)
Issue
11 (11.1911)
Date
1911-11-01
Page
Seite 27 (sequence 39)
Language
German
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27 „Wen suchen Sie?“ frag ich einigermaßen verwundert „Sie selbst, den Herrn Rabbiner N.“ „Der bin ich. Womit kann ich dienen?“ „Herr Rabbinerleben, können Sie mit mir nach W. fahren, einem eine Meile weit entfernten Dorfe, um dort eine Trauung vorzunehmen?“ „Das könnte ich wohl,“ war meine Antwort, „doch müßte ich zuvor alle Dokumente in Händen haben, die beweisen, daß kein Ehehindernis besteht, ebenso die Delegation, die mich zur Vornahme der Trauung eines nicht zu meiner Gemeinde gehörigen Rrautpaares ermächtigt.“ Alles habe ich bei mir, Herr Rabbinerleben. Nur bitte, sich zu beeilen. Packen Sie gefälligst den Ornat zusammen, unterwegs werde ich Ihnen alle Dokumente vorlegen, nur beeilen Sie sich, damit die in W. versammelte Hochzeitsgesellschaft nicht lange warten muß.“ Meine Frau hatte alle Mühe, die über den unterbliebenen Spaziergang ganz aufgeregten Kinder etwas zu beruhigen, während ich mich rasch umkleidete und den Ornat einpackte. Unterdessen war der Alte hinausgegangen und richtete den aus einem Bund Stroh bestehenden und mit einer alten Pferdedecke bedeckten Sitz her, so daß wir alsbald in die würzige Frühjahrsluft hinausfuhren. Als ich es mir auf dem primitiven Wagensitz so bequem als möglich gemacht hatte, begann ich meinen Sitznachbar zu befragen: „Wer feiert denn Hochzeit, Ihr Sohn oder Ihre Tochter?“ „Bitte, Herr Rabbiner, ich selbst.“ Ich war starr vor Staunen geworden und konnte mich erst nach einer Weile zu der Frage aufraffen: „Wie, Sie heiraten, in diesem Alter? Und warum haben Sie sich nicht früher um einen Traugeber umgesehen?“ „Das habe ich,“ beantwortete der Alte meine letzte Frage, ohne die erste, ihm unbequeme zu beachten. „Mein Wohn ort W., worin ich schon mehr als fünfzig Jahre lebe, und dort ein eigenes Häuschen besitze, gehört zur Gemeinde Neu-Z., und in der dortigen Synagoge hat der dortige Rabbiner die Aufbietungen vorgenommen und sollte auch heute zur Hochzeit nach W. kommen. Ich bin ziemlich früh vom Hause weggefahren, den Herrn Rabbiner abzuholen, aber der lag krank im Bette und konnte nicht fort, da hat er mir alle bei ihm liegenden Dokumente mitgegeben und die Delegation für Sie ausgestellt.“ Soweit hätte ich mit der erhaltenen Auskunft zufrieden sein können, doch mußte ich weiter fragen, um aus den erhaltenen Daten Stoff für die zu haltende Traurede zu gewinnen, ohne welcher es bei unserer Dorfbevölkerung ab-

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