Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 23 (1911)
- Issue
- 11 (11.1911)
- Date
- 1911-11-01
- Page
- Seite 23 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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23 stammen, nicht ^mehr den .jüdischen» Religionsunterricht; sie sind entweder evangelisch »oder katholisch. V Mein kleines Mädchen von sieben Jahren erzählt mir, daß sie in der zweiten Volksschulklässe des in der Mehrheit vornehmlich von jüdischen Familien beschickten Lyzeums nur noch mit einem anderen kleinen Jungen, also zu zweit, an dem jüdischen Religionsunterricht teilnimmt, während der übrige Teil der Kinder ihrer Klasse, 26 an der Zahl, den christlichen Unterricht besucht. Da muß Wandel geschaffen werden. Formell können ja schließlich heute Eltern ihre Kinder dem hebräischen Religionsunterricht dadurch entziehen, indem sie die Kinder, für die Zeit vom' sechsten ,bis vierzehnten Lebensjahr, dem milde geleiteten evangelischen Religionsunterricht zuführen und sie nach dem vierzehnten Lebensjahre wieder zum Judentum zurückkehren lassen. Nur ist es fraglich, ob dieser Vorsatz sodann auch ausgeführt wird und ob Eltern und Vormünder es dann später verantworten wollen, den Kindern wieder die schweren Lasten, welche das Judentum in sozialer Hinsicht mit sich bringt, aufladen zu dürfen; es ist eher anzunehmen, daß die Kinder dann schon bei dem anderen Glauben verbleiben. Die Möglichkeit, dem Hebräischen auszuweichen, ist also formell gegeben. Man veranlasse daher von Seiten der Schulbehörde der Kultusgemeinde das Nötige, damit dieser Weg nicht betreten und überzeugungstreue deutsche Juden dem Judentume dadurch erhalten werden! Das Hebräische werde unobligat, der Unterricht deutsch, modern und tolerant! Es geht nicht mehr so wie früher weiter, wir leben heute in einer anderen Welt, die das Alte, Unpraktische niederreißt und Neues auf baut! Möge die Kultusgemeinde das Fundament zur Erhaltung und Festigung des Judentums auf dieser neuen fortschrittlichen Basis ehestens auf bauen. Im Namen Zahlreicher, deren Unterschriften vorliegen.