Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 23 (1911)
- Issue
- 11 (11.1911)
- Date
- 1911-11-01
- Page
- Seite 22 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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verrichten, noch ihren Kindern beim Unterrichte hilfreich zur Seite stehen. Weder Vater noch Kind finden genügendes Interesse an der althergebrachten unverständlichen Sprache, während deutsche Worte weihevoll und erbauend hier wirken würden. Um der Abfallbewegung zu steuern, wollen wir deutschen Juden daher verlangen, daß der Religionsunterricht auf rein deutscher Grundlage nur bis zur vierten Klasse der Mittelschule erteilt und daß es jedem freigestellt werde, d en hebräischen Unterricht zu besuchen oder nicht; er möge nur für diejenigen, die ihn anstreben, bestehen, für die übrigen jedoch unobligatorisch sein. Dann wird die nächste Generation mit Liebe und Lust bei der Sache sein und sich eher unter das Banner des Judentums scharen, statt ins andere Lager zu fliehen. Auch darf der Unterricht von den bei der Kultusgemeinde angestellten Religionslehrern nicht mit drakonischer Strenge erteilt werden, wie es in einzelnen Fällen geschieht, sondern er muß, wie dies auch in den evangelischen Schulen der Fall ist, liebevoll und in nachgiebiger Weise erfolgen. Kein Kind soll je befürchten, daß es wegen mangelhafter Kenntnisse im Religionsunterricht durchfallen könne und dadurch Nachteile für Lebensdauer erleide. Freiheit der Wissenschaft; aber auch Freiheit betreffs des Studiums des Hebräischen und kein Zwang, damit die Abfallbewegung nicht größer werde! Ich rede nicht der „Freien Schule“ das Wort, in welcher der Gegenstand „Religion“ überhaupt nicht gelehrt werden soll, sondern wir wollen nur die Freiheit der Wahl haben, ob unsere Kinder durch den hebräischen Unterricht belastet werden sollen oder nicht. Die Vorschriften der Schulbehörden dürfen nicht in s o weitgehender Weise unsere eigenen Entschließungen unterdrücken und uns zu etwas zwingen, was unserer Ansicht widerstrebt. Wenn es sich anfangs auch nur um einen Versuch handelt, so ist es dieser Versuch wert, ihn zu unternehmen, wenn es gilt, der progressiv zunehmenden Abfallbewegung zu steuern. Es ist erschreckend, wie in Wien und in der Provinz in vielen befreundeten Familien, überall, auch in . der eigenen Familie, in der letzten Zeit die Uebertritte sich häufen. Jedes Mittel soll daher versucht werden, um die Judenschaft z u - sam.menzuhalten und ein neues modernes Bindemittel zu finden. Eine moderne Grundlage. Im Hause, in dem ich wohne, besuchen alle Kinder der anderen Wohnparteien, wiewohl sie von jüdischen Familien