Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 23 (1911)
- Issue
- 11 (11.1911)
- Date
- 1911-11-01
- Page
- Seite 17 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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17 Zur Abfallbewegung. Wir erhalten die nachfolgende Zuschrift, die wir vollinhaltlich publizieren, obwohl wir uns in wesentlichen Punkten mit den darin entwickelten Grundsätzen nicht einverstanden erklären können. Die freie Aussprache über dieses für die Erhaltung des Judentums so wichtige Thema soll jedoch nicht beschränkt werden. Sehr geehrter Herr Redakteur! iWir erhalten die nachfolgende Zuschrift, die wir vollinhaltlich publizieren, obwohl wir uns in wesentlichen Punkten mit den darin entwickelten Grundsätzen nicht einverstanden erklären können. Die freie Aussprache über dieses für die Erhaltung des Judentums so wichtige Thema soll jedoch nicht beschränkt werden. Es wurde in letzter Zeit viel über die Abfallbewegung geschrieben und in den gemachten Gegenvorschlägen oft betont, daß das wirksamste Mittel eine gründlichere Kenntnis der Hebräischen und der Psalmenlehre wäre. Gestatten Sie, daß ich, mit Rücksicht auf die ohnehin durch das Studium in den öffentlichen Schulen genügend angestrengte Jugend meine und meiner Gesinnungsfreunde gegenteilige Ansicht äußere und einem Religionsunterricht in deutscher Sprache das Wort rede, bei welchem das Hebräische nicht als obligatorisch gelehrt werden möge, sondern nur dann doziert werde, wenn es besonders strenggläubige Eltern verlangen , Ich will vor allem feststellen, daß von den Hunderten meiner jüdischen Mitschüler, welche die Mittelschule mit mir vor ca. 20 Jahren absolviert haben, die wenigsten heute noch in der Lage «sind, die damals unter Zwang ihnen beigebrachten hebräischen Kenntnisse des Lesens zu verwerten. Wir können heute nicht mehr jüdische Schriftzeichen erkennen selbst die „unter Drill" auswendig gelernten Sätze, wie das „Schema" und die Brochen, stoßen auf Schwierigkeiten, geschweige, daß wir noch in der Lage wären, uns deren Sinn deuten zu können. Vergessen! Meine Brüder und ich wurden von unseren Eltern wiederholt angeeifert, hebräisch zu lernen, doch der Zwang, der in der Schule bestand, die Härte und Unfreundlichkeit, mit denen uns manche Religionslehrer gegenübertraten, wenn wir bei dem übrigen schweren Pensum, das wir in den Mittelschulen zu absolvieren hatten, dem Hebräischen nicht genügend Teilnahme abringen konnten, erzielten statt Interesse vollständige Gleichgültigkeit für das Studium des Hebräischen, die später einer direkten Voreingenommenheit Platz machte. Man nötigte uns, in einer gänzlich unzulänglichen, systemlosen Weise, ein Sprachstudium auf, dessen praktischer Wert