Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 23 (1911)
- Issue
- 11 (11.1911)
- Date
- 1911-11-01
- Page
- Seite 8 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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« auch jene Gemeinden und Korporationen, welche heute unserem Unternehmen noch ferne stehen, sich anschließen werden." An die mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen des Referenten knüpfte sich eine eingehende und lebhafte Debatte über die Grundprinzipien der Organisation, an welcher fast alle Anwesenden teilnahmen. Dr. Schanzer (Pilsen) bemerkt, daß die Verhältnisse in Oesterreich wesentlich anders liegen als in Deutschland. Man müsse sich daher erst über die Grundprinzipien der zu schaffenden .Organisation klar werden, ehe man in die Detailberatung der Statuten eintrete. Auch die Organisation in Deutschland sei noch keine vollkommene und es habe dort zehn Jahre gedauert, bis sich die Sache durchgerungen habe. Auch in Oesterreich werden jedenfalls sehr gründliche Vorarbeiten nötwendig sein, ehe der zu schaffende Apparat zu funktionieren beginne. Redner erörtert eingehend den Unterschied zwischen der sozialen und administrativen Gliederung der reichsdeutschen und jener der österreichischen Judenschaft und tritt entschieden dafür ein, daß die Zentralstelle so rasch als möglich geschaffen und mit der Organisation der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" verbunden werde. Die Gründung der Kreisarmenkassen würde sich vielleicht erst nach geraumer Zeit angliedern lassen. Es kann aber mittlerweile schon sehr viel gedeihliche Arbeit durch Austausch von Meldungen, schwarzen Listen etc. geleistet werden. Insbesondere würden die schwarzen Listen von Wichtigkeit sein, da der Wanderbettel zumeist professionsmäßig betrieben und falsche Legitimationen durch gewisse Unternehmer geradezu fabrikmäßig hergestellt werden. Dr. Schanzer legt solche Legitimationen angeblich russischer Bettler vor, die in Leipzig fabriziert wurden. Absolut erforderlich sei eine umfassende Agitation zur Abschaffung des Hausbettels in den einzelnen Gemeinden. i Dr. Kaminka (Israel. Allianz, Wien) macht aus den Erfahrungen der „Israel. Allianz" interessante Mitteilungen über den professionellen Wanderbettel, welche die Ausführungen Dr. Schanzers vielfach bestätigen. Redner ist für sorgfältige und eingehende statistische Aufzeichnungen. Herr Max Mayer (Graz) tritt in entschiedener und warmer Weise für die sofortige Schaffung der Gesamtorganisation ein, welche durch die praktische Arbeit ihre Notwendigkeit und Lebensfähigkeit erweisen werde. Herr Pappen heim (Wiener Armenanstalt) bezeichnet vom Standpunkte der Wiener Armenanstalt die geplante Zentralisierung als eine dringende Notwendigkeit. Er findet nur bedenklich, daß Galizien aus dieser Organisation ausgeschaltet werden soll. Er verhehlt sich nicht die diesbezüglichen Schwie-