Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 23 (1911)
- Issue
- 11 (11.1911)
- Date
- 1911-11-01
- Page
- Seite 6 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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; 6 los arbeitet, daß die Wanderarmen nach den angedeuteten Grundsätzen befördert und die zwischen den einzelnen Armenkassen gelegenen kleinen Gemeinden vom Wanderbettel tatsächlich schon nahezu entlastet sind. Die Verrechnung der Kosten zwischen den einzelnen Armenkassen ist eine glatte und regelmäßige und das Meldewesen ist bereits in sehr hohem Maße ausgestaltet. Eine Schwierigkeit hat sich in der Feststellung des Begriffes der Würdigkeit ergeben, so daß man diese Feststellung, da jeder einzelne Fall der individuellen Ansicht unterliegt, der Einsicht der abfertigenden Stelle überläßt. Bei der „Zentralstelle" gehen in einer Woche zirka 500 Meldekarten von den verschiedenen Provmzkassen ein. Im ganzen Geltungsgebiete der „Deutschen Zentralstelle" hat sich bereits eine wesentliche Verminderung der Wanderarmen und ebenso eine Verminderung der Zahl der Rückwanderer ergeben, während die Unterstützungs-, resp. Beförderungskosten sich nicht vermindert haben. Das ist der beste Beweis dafür, daß die von orthodoxer Seite geltend gemachten Bedenken, wonach der traditionellen jüdischen Wohltätigkeit durch die geschaffene Organisation Abbruch getan würde, grundlos sind. Die „Deutsche Zentralstelle" verfügt bereits über eine Arbeitskolonie in Weißensee, in welcher arbeitsfähige Wanderarme nicht nur von der Berliner Durchreisekommission, sondern auch von anderen Abfertigungsstellen geschickt werden. Ferner steht der „Deutschen Zentralstelle" die Arbeitsstätte der Kölner Abfertigungsstelle und die Breslauer „Peha" zur Verfügung. Wir in Oesterreich werden solche Arbeitsstätten erst schaffen und müssen uns da mit Vereinen für Arbeitsnachweis in engster Fühlung halten. Die Schaffung solcher Arbeitsstätten wird wohl auch bei uns den größten Teil der unserer Zentralstelle zufließenden Mittel in Anspruch nehmen. Ueber die finanzielle Gebarung der „Deutschen Zentralstelle" liegen vorläufig folgende Ziffern vor: Außer dem Fünftel,, 'das der „Zentralstelle" zufließt, wurden folgende Jahresbeiträge gezeichnet: Vom „Deutschen Hilfsverein" 5000 Mark, von der „Deutschen Konferenzgemeinschaft der Alliance israelite" 2500 Mark, vom „Deutsch-Israelitischen Gemeindebund" und der Groß- Loge der „B. B.-Vereine" je 1000 Mark. Wie groß die Anforderungen am Ende des Jahres sein werden, läßt sich heute noch nicht überblicken. Die Hauptspesen werden durch zahllose Vervielfältigungen und das Porto für die fast täglichen Meldungen, die jedesmal 5 bis 10 Mark beanspruchen, hervor gebracht, während die Entschädigung des Bureaupersonals auf ein Minimum bemessen ist. Der wichtigste Effekt der bis jetzt geleisteten praktischen Arbeit besteht jedoch darin, daß alle in Betracht kommenden Kultusgemeinden, Orts- und Provinzialkassen mit wahrer Be-