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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1911-11-01 · 11 (11.1911) · p. Seite 3

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
23 (1911)
Issue
11 (11.1911)
Date
1911-11-01
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 heitete sich an ihm das Wort Mayers, daß keine spezifisch nationale Partei gerecht und freiheitlich sein und bleiben könne, und die letzte Phase dieser abwärts gleitenden Entwicklung sehen wir heute im Deutschen National verbände, in welchem Antisemitismus und Duldung der klerikalen Machtansprüche nicht minder vorherrschen wie in der christlich-sozialen Partei. Was erreicht werden konnte, war die Erhaltung eines kleinen, aber ehrlich freiheitlichen Splitters auf Wiener Boden, der dazu bestimmt sein mochte, den Kader für eine künftige große Fortschrittspartei zu bilden. Wie sehr die zweite Aufgabe gelang, beweisen der stetige kraftvolle Aufschwung der „Union" und ihre ungewöhnlichen Erfolge auf dem Gebiete des Rechtsschutzes, beweist die einmütige Zustimmung und Anerkennung, welche diese unsere Wirksamkeit in der gesamten österreichischen Judenschaft gefunden hat und noch immer findet. Wesentliche Lebensinteressen ideeller und materieller Natur der jüdischen Bevölkerung sind geschützt und gewahrt, Anschläge der gefährlichsten Art auf unsere staatsbürgerliche Existenz in offener Feldschlacht zurückgeschlagen oder schon im Keime zertreten worden, ehe noch die große Oeffentlichkeit davon Kenntnis erlangte, daß sie geplant worden seien. Das ist zum guten, zum besten Teile das Werk Sigmund Mayers, der immer wachsam, immer an den vordersten Vorposten die leisesten Bewegungen der Gegner erriet und ihnen rechtzeitig Schach bot. Und doch — auch die unsägliche Mühe, die er mehr als ein Menschenalter daran gewendet hat, den Boden für den Sieg des freiheitlichen Gedankens zu bereiten, blieb nicht ungelohnt. In seinem achtzigsten Lebensjahre erlebte er einen ungeahnten und darum umso schöneren Triumph. Die heurigen Juniwahlen, die mit der Niederringung der Wiener christlichsozialen Partei, mit der Verjagung Geßmanns, Pattais und Weiskirchners endeten und in der Bürgerschaft Wiens eine neue, starke freiheitliche Bewegung auslösten, erweckten die frohe Hoffnung auf den nahe bevorstehenden völligen Durchbruch der Ideen, für welche Sigmund Mayer Jahrzehnte hindurch gestritten. Es ist ihm vergönnt, der jungen Generation noch die wieder aufgehende Sonne zu zeigen und sich selbst in ihren Strahlen zu wärmen. Mit dem Ausblick auf eine bessere, lichtere Zeit schließen seine „Lebenserinnerungen". Aber damit schließt noch nicht sein Leben, schließt nicht sein Lebenswerk.

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