Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 22 (1910)
- Issue
- 12 (12.1910)
- Date
- 1910-12-01
- Page
- Seite 28 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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28 geborene Rasseneigenschaften stützen wollen. Meynert, einer der größten Gegner Lombrosos und seines „geborenen Verbrechers", sagt, daß „es keine angeborene Gedanken gibt", „daß die Instinkte nicht existieren". x\uch ist er der Ansicht, daß die Degenerationszeichen, womit Lombroso seinen Verbrechertypus ausstattet, nichts als Ergebnisse des Notstandes, mit einem Worte, der Zwangsverhältnisse, der sozialen Lage sind. Es ist nicht einzusehen, warum dies gerade bei den Juden nicht zutreffen sollte. Darüber aber dürfte kein Zweifel sein, daß es einwandfreier Rassenfeststellungen bedarf, daß statistische Feststellungen, die auf Grund von Konfessionsbescheinigungen erfolgen, ernster Betrachtung nicht standhalten. Mitteilungen der „Oesterreichisch- Israelitischen Union". Dr. Philipp Meitner. Unter zahlreicher Beteiligung wurde Sonntag den 11. dieses Monats der Hof- und Gericntsadvokat Dr. Philipp Meitner zu Grabe getragen. Der Dahingeschiedene genoß nicht nur in seinen engeren Fachkreisen den Ruf eines ausgezeichneten Kollegen und eines überaus gewissenhaften Anwaltes, sondern hat sich auch um die geistigen und politischen Interessen der Wiener Judenschaft außerordentliche Verdienste erworben. Dr. Philipp Meitner gehörte viele Jahre lang dem Vorstande der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" an und widmete den armen und schütz bedürftigen Juden in durchaus uneigennütziger Weise seine rechtsfreundliche Tätigkeit. In der politischen Führung der Wiener Judenschaft hatte sein kluger Rat, seine weise Mäßigung, dabei aber doch seine konsequente freiheitliche Gesinnung hohe Geltung. Er hatte in seiner Jugend den Geist des jüdischen Schrifttums in sich aufgenommen und sein logisch geschlossenes Denken, sein ungewöhnlicher Scharfsinn waren gewiß auf diese geistige Schulung aus frühester Jugend zurückzuführen. Dr. Philipp Meitner war aber auch ein Mann von selten tiefer und zarter^ Empfindung. Unendliche Güte strahlte aus seinen leuchtend blauen Augen und seine sonnige, heitere Natur konnte auch durch die vielen Enttäuschungen des Lebens und manche schmerzliche Schicksalsschläge nicht verdüstert Wörden. Er war einer jener seltenen Menschen, von denen man sagen kann, daß sie keinen Feind haben. Am offenen Grabe widmeten dem Dahingeschiedenen der Vizepräsident der „Oesterreichisch-Israelitischen Union", Herr kaiserl. Rat Wilhelm A n - ninger, und namens des Vereines „Kommunikation" Herr kaiserl. Rat N. Schefftel tiefempfundene Nachrufe.