Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 22 (1910)
- Issue
- 12 (12.1910)
- Date
- 1910-12-01
- Page
- Seite 24 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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24 nach einem einzigen Zielpunkt, oder Auswanderung nach verschiedenen Stellen der Erde. An diesem Punkt können wir an . die früher entwickelten Gedankengänge wieder anschließen. Wenn die Fortfristung des Judentums mir gleichgiltig oaer nicht besonderer Anstrengung wert erscheinen würde, so würde meine Tätigkeit aus reinen Humanitätsgründen sich vielleicht nicht einsetzen für das Los des Judentums, gondern für das Los der Judenschaft. Und ich wäre dann vielleicht genötigt, nicht der Konsolidierung, sondern der Z e rstreuungs- Politik das Wort zu reden. Wenn es sich aber idealpolitisch als unsere Aufgabe herausstellt, die Erhaltung des Judentums zu wollen, dann können wir aus dem genauen soziologischen Verständnis der historischen Evolutionen und der uns^umgebenden Entwicklung lernen und aus ihnen die Erkenntnis schöpfen, daß dieses Ziel, die verbürgte Erhaltung des Judentums, heute nur auf einem Wege möglich ist, auf dem der Konsolidierung der emigrierenden Massen, eine Aktion, die zugleich auch die idealpolitischen Gebilde in die Bedingungen realpolitischer Wirklichkeit einbauen würde. Der Zurückführung der proletarischen jüdischen Massen aus ihren Klein- und Zwerghandel zur Urproduktion, in einem geschlossenen Gebiete, unter freien kulturellen Entfaltungsmöglichkeiten, unter der die Stabilität und den auswärtigen Schutz sichernden Souveränität eines Großstaates. In welches Land? Hier können die Meinungen geteilt sein. Mir persönlich aber scheint das Problem nach der Richtung hin klar, daß die Umwandlung eines Händlervolkes in -ein freies Bauernvolk nur in einem einzigen Lande möglich ist, in einem Lande, das durch seine historischen Beziehungen auf seine Einwohner läuternd und seelisch revolutionierend einwirken kann. Deshalb bin ich Zionist. Nun wird mir eingewendet werden, ich hätte mich ja gegen den Zionismus ausgesprochen. Das aber ist eben nicht ganz richtig. Ich habe ausgeführt, daß wegen der Aversion des in den alten, immerhin noch kräftigen Organisationen stehenden Judentums, der Aversion der sozial und der intellektuell höchststehenden Kreise, die Kraft des Zionismus in keinem Verhältnis steht, zu der wirklichen ungeheuren Größe seiner Aufgabe. Um ein solches Werk aufzubauen, um ein ganzes Volk von diesem dauernden, gleichmäßigen, zermalmenden Druck zu befreien, um es vor Siechtum und Untergang zu retten, dazu sind nicht nur geschichtliche Größe und sittliche Schönheit des Gedankens notwendig, sondern dazu sind Machtmittel, gewaltige ökonomische Machtmittel unentbehrlich. Sollte es aber zu einer solchen erschütternden Tragik, deren herbe Großartigkeit wir nur allzugern missen möchten, nicht kommen, sollte durch die endliche kraftvolle Unterstützung