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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1910-12-01 · 12 (12.1910) · p. Seite 23

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
22 (1910)
Issue
12 (12.1910)
Date
1910-12-01
Page
Seite 23 (sequence 28)
Language
German
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:3 stand einfach unmöglich. Wenn heute noch, trotz des Antisemitismus, jüdische Aerzte gerufen werden, so geschieht es wegen ihrer erprobten Tüchtigkeit. Wenn aber den jüdischen Aerzten die Ausbildung in den Spitälern versagt werden wird, dann haben sie eine geringere Ausbildung als ihre arischen Kollegen und dann sehen sie-einem traurigen Schicksal entgegen. — Daß auch sonst bei den häufigen Verstaatlichungen und 'Munizipalisierungen aller rentablen Gro'ßuntemehmungen'die Juden, sobälü man nicfrt mehr einer freischöpferischen, sondern nur einer 'Beamtentätigkeit bedarf, übergangen werden, ist ein zu bekanntes Faktum, als daß es besonders erwähnt werden müßte. Ebenso, daß sie infolge der Konsequenzen des zwar nicht gegen sie^prichteten, aber immer in erster Linie sie treffenden Ökonomischen Konzentrationsprozesses in wirtschaftlich nacht stark florierenden Ländern durch die Ausschaltung des Zwischenhandels einem zwar langsamen, aber durch kaum auszuweichenden Expropriierungsprozeß ausgeliefert sind. Im Osten aber spielen sich diese Prozesse bereits in den brutalsten Formen ab. Die sozialen Folgen dieser Verhältnisse sind uns allen zu gut bekannt. Ungeheure Massen von Emigranten aus Galizien, Rußland und Rumänien stauen sich an den immer höher werdenden Schranken, durch die ihnen die bisherigen Einwanderungsiänder sukzessive abgesperrt werden. Das Charakteristikum unserer gegenwärtigen Situation jst die dringende und furchtbare Notwendigkeit, ein Asyl zu suchen für diese Hunderttausende, die bald Millionen sein können und sie endlich zur Urproduktion zurückzuführen, für die das Gesetz der Expropriierungen und Depossedierungen seine Kraft nicht mehr besitzt. Das ist eine r e a 1 p o 1 i t i s c h e Motivierung der großen Aufgaben, die aller ernsten Juden harren, wie sie zwingender nicht gedacht werden kann. Die früher entwickelte ldealpolitische Forderung würde lauten, auf die Reinheit und Weiterexistenz unserer Rasse zu achten. Dies ist aber unter freien Verhältnissen nur möglich, wenn sie zur Urproduktion zurückkehren und in geschlossener Masse auf ihrem eigenen Boden wohnen. Drei Prozesse sind es also, die gegenwärtig sich abspielen: Wirtschaftliche Verarmung, Zunahme der Taufbewegungen und Zunahme der Mischehen bis zur Größe der Gefahr der Auflösung. Ueberall, wo Juden leben, läßt sich die eine oder andere Form dieser Auflösungstendenzen, dieser Herabsetzung der volklichen Kraft konstatieren, und mit erschreckender Klarheit sehen wir die Richtung der gegenwärtigen Entwicklung. Und nun ergibt sich folgendes Dilemma. Diese Massen, hunderttausend und mehr, müssen alljährlich auswandern. Theoretisch sind zwei Möglichkeiten denkbar. Auswanderung

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