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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1910-12-01 · 12 (12.1910) · p. Seite 21

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
22 (1910)
Issue
12 (12.1910)
Date
1910-12-01
Page
Seite 21 (sequence 26)
Language
German
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21 genden Not. Jeder Weg ist furchtbar, auch wenn er nicht einem philosophisch ausspekulierten Ziele dient, sondern nur der Herausführung und der Befreiung aus der Gegenwart und aus unermeßlicher gual. Und das ist nicht etwa eine Sache bloßer Eindrücke, sondern das ernste Ergebnis genauer, wirtschaftsstatistischer Erwägungen. Und was das Drückendste ist, nicht ein zufäligesl Ergebnis gerade der heutigen Wirtschaftsstatistik, sondern ein notwendiges und mit Notwendigkeit stets noch schärfer zum Ausdruck gelangendes Resultat von Wirtschaftsprozessen allergrößter Tragweite. Während man allgemein von einem Massenaufstieg der Juden spricht, so zwar, daß einige besonders geistreiche Publizisten es schon leibhaft vor Augen sehen, daß bald der gesamte nationale Reichtum Europas in Händen der Juden sein werde, finden wir durch ein genaueres Zusehen auf diese Phantasien eine geradezu furchtbar ernüchternde Antwort, finden wir in Wirklichkeit genau das Gegenteil. Die Bedeutung dieser ökonomischen Gewalten kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Es haben diejenigen Recht, welche behaupten, daß das soziale und ökonomische Moment, der brutale Kampf ums Dasein, um die bevorzugte Stellung im Erwerbsleben, in der Konkurrenz zu den bedeutendster. Ursachen der politischen Gegnerschaft unserer Zeit zählen. — Aber auch das ist im Falle der Juden ein Stück Rassenproblem, wie wir gleich sehen werden. Ich habe einer Abhandlung in meinem Buche den Titel gegeben: Das Gesetz der steten ökonomischen Rollenänderungen der Diasporajudenheit. Die Juden sind überall im Wirtschaftsleben die Pioniere, das punctum maximae resistentiae, den Ort des größten Widerstandes greifen sie an, und wenn sie einen Erwerbszweig gegründet, die größten Schwierigkeiten beseitigt haben^ dann erfolgt, und rein automatisch, aber unerbittlich ihre Depossedierung. Der Arier drängt sie hinaus und setzt sich an ihre Stelle. Zu allen Zeiten, in allen Ländern und in jeder Beziehung bestätigt sich dieses Gesetz. Als nach Abschluß der Völkerwanderung das Wirtschaftsleben Europas noch ganz ungeformt war, da waren es die Juden, die den Blutkreislauf des wirtschaftlichen Lebens darstellten. Durch Schaffung des Welthandels boten sie den neuen Staaten die ökonomische Möglichkeit, sich zu entfalten. Und mit Erstaunen sehen wir aus den Quellen, welch ungemein geachtete Stellung, eben wegen ihrer damaligen Bedeutung die Juden zu dieser Zeit einnahmen. Der geehrte Präsident dieses Vereines hat in einer grundlegenden Studie hierüber, „Die Juden als Handelsvolk", diese Verhältnisse mit großer Deutlichkeit klargelegt. Die Tötung eines Juden wurde höher bestraft, als die eines Ritterbürtigen. Dies dauerte s'olange als sfe ohne Konkurrenz waren. Die Konkurrenz ent-

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