Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 22 (1910)
- Issue
- 12 (12.1910)
- Date
- 1910-12-01
- Page
- Seite 19 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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19 eine ungleich bessere werde als jetzt — eine gar noch nicht absehbare Progredienz zeigen kann: jetzt sehen wir, wie diese! Entwicklung geradezu i*n u n e n t s c h u i d b a r e m Widerspruch zu aVIen logischen und vernünttigenForderungen isteht. Diese Entwicklung wäre wirklich nur zu entschuldigen, wenn man es tatsächlich für besser hält, daß dieses geplagte Judentum endlich verschwinde. Wünscht man aber eine Erhaltung, dann müssen wir uns vor Augen halten, daß es nur ein einziges Mittel gibt, die Rasse zu erhalten, daß nämlich die Juden in geschlossener Masse beisammen wohnen. Dies wieder ist nur möglich, wenn sie nicht mehr, wie bisher, vorwiegend nur einem einzigen Wirtschaftszweig angehören, sondern gleichmäßig, wie jedes andere Volk, auf alle Berufsarten verteilt sind, namentlich auf diejenigen Berufs - Hormen, die unter ihnen bisher am schwächsten vertreten waren, diejenigen, die der Urproduktion angehören, der Boden- Bewirtschaftung. Und da ungefähr durch diese Forderungen, wenn wir uns noch dazu denken, daß der Boden, auf dem dies geschehen soll, der Boden Palästinas sei, gerade das »zionistische Ziel determiniert wird, so ergißt sich aus diesem rein logischen, rein kosmopolitischen Erwägungen eine Argumentation des Zionismus, die diese Bewegung als eine der höchsten, und größten Aufgaben erweisen würde, die sich für die {Menschheit überhaupt nur finden ließen. Dieser allergrößten Aufgabe gegenüber, der Kultur eine der höchstwertigen Rassen £U erhalten, verschwindet eine ganze Reihe anderer Aufgaben, obwohl diese ebenfalls von einer ungeheuren Bedeutung sein würden. Die unnatürliche historische Entwicklung, die unnatürliche geistige Entwicklung, die ganz unnatürliche Berufs- Schichtung hatten unvermeidlicherweise auch ihre Folgen. D i e soziale Struktur der Judenheit ist ungesund. Der verschärfte Daseinskampf läßt nur die anpassungsfähigsten Existenzen emporkommen, die sich nur deshalb oft an andere so leicht anpassen, weil kein Schwergewicht des eigenen Wertes fsie daran hindert; aber dieser verschärfte Daseinskampf erstickt förmlich die wirklich Großen und Tiefen. Im Judentum von heute können die in ihm liegenden kulturellen Energien jnicht kinetisch werden. Es kann die in ihm liegenden Valenzen heute nicht sättigen. Und während so gegenwärtig nur Halbheil; und Hohlheit obenauf schwimmen und der Jude eben dadurch iso vielfach geradezu als Antitypus alles höheren Menschtums figurieren mußte, würde durch die Rückkehr zu normalen Verhältnissen, durch das Freiwerden ungezählter neuer Kräfte, erst die ganze ungeheure potenzielle Energie von Begabung, die in der jüdischen Rasse liegt, rein kulturell, ohne irgendwie das materielle Los anderer Völker schädlich zu tangieren., zur Entfaltung gelangen können.