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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1910-12-01 · 12 (12.1910) · p. Seite 16

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
22 (1910)
Issue
12 (12.1910)
Date
1910-12-01
Page
Seite 16 (sequence 21)
Language
German
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16 [wollen uns jetzt daran erinnern, was von der Begabungsqualität gesagt wurde. Es gibt keine spezifischen Fähigkeiten der verschiedenen Rassen. Und in Berücksichtigung solcher Ergebnisse (erscheint es uns mehr als sonderbar, von dem kardinalen und unüberbrückbaren Gegensatz zu sprechen z wischen den ari'sch'en Seeleneigentümlichkeiten und semitischen Rasseneigenschaften. Wenn wir finden, daß nur auf Grund solcher, durch ungezählte Generationen sich hinziehender Geschichtslügen irgend einer Volksgruppe Seelenadel und Hochflug der Gedanken abgesprochen Wurde, während andere Volksgruppen schon allein durch ihr Vorrecht der Geburt, ohne einen Finger zu rühren, sie besitzen sollten, so finden wir, daß eine solche Geschichtslüge nur durch jene andere Lüge noch übertroffen wird, die seit genau hundert Jahren von Gelehrten und von Laien, von Juden und Christen tur das Selbstverständlichste gehalten wurde und deren politische Tragweite kaum von irgend einer anderen Sache noch [übertroffen werden kann: Das ist der kaum zu fassende Unsinn, der in dem Worte „Arier" selbst liegt. Hier kann ich mich über eine unrichtige Auffassung meiner Gedankengänge nicht beklagen. Meine hierauf bezügliche Beweisführung haben ja fast alle Blätter, die darüber geschrieben haben, ausführlich referiert und anerkannt, und ich darf es als bekannt voraussetzen, daß das, was man ,,Arier" nennt, als etwas Gemeinsames gar nicht existiert. Es ist heller Wahnsinn anzunehmen, daß alle diese verschiedenfarbigen und verschiedenhaarigen Völker von Indien bis Irland einer einzigen, gemeinsamen, durch die Identität des Blutes und der Seele einheitlichen arischen Urrasse angehören, wenn auch die Sprachen, die sie reden, einander verwandt sind. Wirkliche Arier in etymologischem Sinne sind nur "die asiatischen 'Mitglieder dieser großen sprachverwandten Völkergesellschaft. Und ebenso werden Sie mir den anthropologischen Beweis dafür ersparen, daß auch die Germanentheorie, die die Ariertheorie substituieren sollte, in der Ausdehnung, die einige phantasievolle Schwärmer ihr gegeben haben, in das Reich der Fabel gehört. Wenn wir dem gegenüber nun wissen, daß die Homogenität der jüdischen Rasse außer Zweifel steht und berücksichtigen, daß die Begabungsquote der jüdischen Rasse infolge der ungemein hohen kulturellen Tätigkeit ihrer Ahnen eine maximale sein muß, so gewinnt die Sache sofort ein anderes Gesicht. Und noch eine Erwägung: Alles was, abgesehen vom Gebiete der Religion, je geleistet wurde, alle Wissenschaft, Philosophie und Kunst, alle Staats¬ und Wirtschaftsbildung war angeblich das Werk arischer Völker. Und auch was nichtarische Völker hier geleistet, haben, das

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