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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1910-12-01 · 12 (12.1910) · p. Seite 11

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
22 (1910)
Issue
12 (12.1910)
Date
1910-12-01
Page
Seite 11 (sequence 16)
Language
German
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11 wandtschaftlichen und gesellschaftlichen Rücksichten den Uebertritt .scheut. Heiraten mit Christen sind häufig. Hieher gehören die Juden in den europäischen Hauptstädten und die akademisch gebildeten Juden aller Länder, an Zahl etwa 1/2 bis 3/4 Million betragend. ' Die vier Schichten, die wir hier mit kurzen Strichen zu zeichnen versuchten, sind aber nichts weniger als stabile Gruppierungen, sondern nur Querschnitte an verschiedenen Stellen eines ständig fließenden Stromes, der aus dem großen Becken des orthodoxen Judentums im östlichen Europa gespeist wird und in d,as Meer des Christentums führt. Die Infiltration des Judentums mit moderner Kultur geht unaufhörlich fort und ebenso unaufhörlich gibt das orthodoxe Judentum (erste Schicht) Glieder an das weniger orthodoxe (zweite Schicht), dieses tan idas reformierte (dritte Schicht) ab, bis von hier aus schließlich Taufe und Mischehen die Juden ganz dem Christentum e zuführen. Man kann sich die vier Schichten auch sehr gut als vier aufeinanderfolgende Generationen vorstellen, obwohl mitunter der Weg vom Orthodoxismus zur Taufe auch schon in zwei bis drei Generationen zurückgelegt werden mag. Vier bis fünf Generationen trennen uns heute etwa von der Mendelssohnschen Zeit. Von all' den Juden, die damals in Berlin lebten, hat heute kaum einer jüdische Nachkommen; alle sind dem Christentum zugefallen. Anderseits sind die reichen Juden Berlins, die wir in die vierte Schicht einreihten und von deren Kindern sicherlich ein großer Teil schon in der Wiege getauft ist oder noch getauft werden wird, die Nachkommen von Juden, welche vor zwei bis drei Generationen als stockfromme Juden aus kleinen Städten der peußischen Ostprovinzen oder von jenseits der Weichsel nach Berlin einwanderten. Wer mit den Verhältnissen der Juden in europäischen Großstädten vertraut ist, kann diese Umwandlung von Generation zu Generation förmlich mit Händen greifen. Bedingung für den Beginn dieser Umwandlung ist freilich, daß die Juden die Möglichkeit haben, sich die europäische Kultur anzueignen. Wo die Juden hieran durch politischen Druck, feindselige Haltung der nichtjüdischen Bevölkerung und wirtschaftliche Misere gehindert werden, z. B. in Marokko,, Rußland und Galizien, bleiben sie wie im Mittelalter noch heute auf dem überkommenen niedrigen Bildungsniveau und in nationaler und religiöser Abgeschlossenheit." Soweit die Ansichten Ruppins, die das gegenwärtige Zustandsbild der Judenheit mit jast photographischer Treue wiedergeben. Die Judenheit als Rassenkörper erscheint heute infolge ihrer Dispersion unter rassenfremde Kölker, in unserer Epoche der

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