Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 22 (1910)
- Issue
- 12 (12.1910)
- Date
- 1910-12-01
- Page
- Seite 8 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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8 zurückgegangen ist, wie sie nur mit wenig Ausnahmen eine Beute nicht nur der kulturellen, sondern auch der . politischen und ig e s e 11 s c h a f 11 i c h e n Assimilation geworden ist, und zwar der Assimilation nicht immer gerade an die besten Klassen, Wie ferner durch die kontraselektorische Wirkung der bisherigen Entwicklung, durch die bisherigen Wirtschaftsformen, durch die Zersetzung des Alten, religiösen und Ghettomilieus eine Generation leerer, hohler Uebergangsmenschen entstanden ist, deren Zusammenhangsgefühl mit dem Judentum dadurch ein äußerst geringer ist. Daß endlich die Schädigung und Erniedrigung durch den Antisemitismus, daß die geringe Meinung, die die Juden heute von sich selber haben, daß das Fehlen jedes Rassestolzes ein weiteres Moment der Dekomposition ist, das braucht wohl nicht erst gezeigt zu werden. Dafür ist merkwürdigerweise ein anderes Moment, das eine ungeheure und wegen seiner prinzipiellen Bedeutung sogar die größte Wichtigkeit besitzt, bisher fast vollkommen ignoriert worden; wir meinen die Mischehe. Die statistischen Erhebungen haben folgende Resultate ergeben: In Wien betrug die Zahl der Mischehen im Jahre 1906 12-97o/o. In Budapest in den Jahren 1896 bis 1900 durchschnittlich 15°/0, in den Jahren 1901 bis 1904 lß1/2°/o, im Jahre 1907 19-2o/o. Jede fünfte Ehe ist eine Mischehe. "Wien ,un*d Budapest sind deshalb interessant, weil hier Ost und West zusammenstoßen. Im Osten sind die Mischehen an Zahl noch sehr gering. In London, Paris, Newyork sind dort, wo Ostjuden angesiedelt sind, die Mischehen nicht stark vertreten. Im Westen selbst aber steht die Sache ganz anders. Genaue Daten haben wir für Deutschland: In den Jahren 1901 bis 1904 betrug die Zahl der Mischehen durchschnittlich 17#3<>/o, im Jahre 1905 21o/0, im Jahre 1907 24-5o/0. In Frankfurt a. M. dem Mittelpunkt der neuen Orthodoxie: im Jahre 1908 30'7%, In Berlin betrug die Zahl der Mischehen in den Jahren 1901 bis 1904 35-5o/o, im Jahre 1905 44*5o/o, in Hamburg betrug fcüe Zahl im Jahre 1903 49-'5o/o. Ein alter Mittelpunkt jüdischer Kultur ist Amsterdam; daselbst stieg 1903 die Zahl der Mischehen auf 20-1%. In England ist zu unterscheiden zwischen den vor kurzem eingewanderten und den autochthonen Juden. Bei den Autochthonen sind Mischehen mit den höchsten Gesellschaftskreisen sehr häufig, ebenso wie in Frankreich, wo das alte Judentum schon verschwindet. Noch krasser steht die Sache in Italien; dort ist das Judentum fast schon verschwunden. Leider besitzen wir für alle diese Länder keine Zahlen, da durch die liberale Gesetzgebung jede konfessionelle Statistik beseitigt ist. Das hier Mitgeteilte ist aber die übereinstimmende Erfahrung aller Kenner dieser Länder. In T ,r ie s t, das kulturell zu Italien gezählt werden muß, betrug die Zahl