Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 22 (1910)
- Issue
- 12 (12.1910)
- Date
- 1910-12-01
- Page
- Seite 5 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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5 zur Selbstbestimmung ihres Wesens haben, natürlich außerordentlich leicht das Uebergewicht erlangen. 3. Endlich, gerade häufig bei Leuten der höheren Stände, die ausgesprochene und zum Teil sicherlich auch aufrichtige Verachtung und Geringschätzung des jüdischen Wesens, Iweft angeblich die Juden doch nicht zu den echten großen Kulturnationen gehören, auch in ihren hervorragenden Repräsentanten eine Menge niedrigster Eigenschaften besitzen, während höchstwertige intellektuelle und selische Eigenschaften angeblich .kaum bei ihnen anzutreffen seien. Diese in das Gebiet der Rassenfrage gehörenden Gedankengange sind heute ungemein stark unter den assimilierten Juden verbreitet, und nicht nur unter diesen. Diese Momente sind es, welche die Widerstandskraft des Judentums schwächen und die durch ihren langsamen aber unvermeidlichen Einfluß auf das Innenleben eines jedes Einzelnen seine Hemmungskraft gegen die materiellen, sozialen und sexuellen Verlockungen ungemein schwächen. Die an die Betrachtung der Quellen der Taufbewegung sich1 anschließenden wichtigsten Fragen wären die, wie man die Taufe Öffentlich beurteilen müsse, und welche Mittel zur Abhilfe sich gegen das Anwachsen dieser so schwer schädigenden Bewegung finden ließen. Die Taufe ist nun in den meisten (Fällen schon dadurch abgeurteilt, daß sie ja in der Regel ein Meineid ist. Aber auch die beliebte Konfessionslosigkeitserklärung enthält viele Charakteristika einer vom1 ethischen Standpunkte aus tiefstehenden Handlungsweise. Sie ist nicht nur die Lossagung von der Religion, sie ist auch die Lossagung von der Volkszugehörigkeit. Auch abgesehen davon, daß zur Zeit diese Volksgruppe Gegenstand feindlicher Angriffe auf Ehre und Existenz ist, und ein Frontwechsel mitten im Kampf schon dadurch gehörig stigmatisiert ist, auch ganz abgesehen davon, hat dieses harte Urteil seine tiefe Begründung. Wir können dieses Urteil leicht begründen. Unter tausend Menschen findet sich: kaum einer, dessen Individualität ganz geschlossen und nur in sich selbst begründet ist. Sein psychischer Ueberbau, sein Gefühls- und Gemütsreichtum, seine Instinkte und Traditionen stammen von seinen Ahnen. Durch das Gesetz der Vererbung und durch die Macht der Ueberlieferung sind sie bei ihm wesensgleich, wie bei seinen Volksgenossen. Wo bei ihm den Anfechtungen des Tages gegenüber die eigene Kraft nicht ausreicht, da schadet das noch nicht, denn es wirkt in ,ihm noch immer die seelische Kraft, das Ethos seines Volkes hemmend und hindernd oder helfend und unterstützend, und hält ihn auf sittlicher Höhe. Der Mensch aber, der alle diese Teile seiner Psyche den generellen Intellekt seiner Rasse, den ganzen Kulturertrag seiner Vergangenheit willkürlich unterdrückt, ihn mutwillig von