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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1910-12-01 · 12 (12.1910) · p. Seite 3

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
22 (1910)
Issue
12 (12.1910)
Date
1910-12-01
Page
Seite 3 (sequence 8)
Language
German
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3 gendem zusammenfassen: Die nicht aus Ueberzeugung erfolgende Taufe ist eine unehrenhafte Handlung. Das Judentum und nach Möglichkeit auch der Staat müßten daher «die Leute, die vor einer so unehrenhaften Handlung nicht zurückscheuen, boykottieren. Wir werden uns noch damit zu beschäftigen haben, ob dieser Standpunkt, so plausibel er zu sein scheint, der richtige ist. Zunächst wollen wir trachten, die sozialen Quellen dieser modernen Krankheit ausfindig zu machen. I Es besteht eine Statistik über die Anzahl der Taufen im 19. Jahrhundert. Nach dieser betrug die Zahl der Taufen in den letzten 100 Jahren zusammen 204.500. 'Darunter in Deutschland 22.520, in Großbritannien 28.830, in Oesterreich-Ungarn 44.756, in Rußland 84.536, in Nord-Amerika 13.000. Zu den berüchtigten Taufherden gehören Berlin und Wien. In Berlin, wo aber die Zahl schon wegen der hier möglichen Kindertaufen nicht genau faßbar ist, fanden in den Jahren 81—87 durchschnittlich jährlich 66 evangelische Judentaufen statt, eine Taufe auf 1000 Juden, 96—1900 steigt die Zahl auf 132, im Jahre 1907 auf 149, 1908 auf 186. Also eine stets steigende Progredienz. In Wien haben in den letzten 25 Jahren zusammen 10.000 Austritte stattgefunden, und die Zahl wächst mit einigen Schwankungen rasch an. Im Jahre 1870 fiel ungefähr eine Taufe auf 1200 Juden, 1900 eine Taufe auf 260 Juden, in den Jahren 86—90 fanden durchschnittlich jährlich 330, in den Jahren 96—1900 durchschnittlich 511, im Jahre 1903 582, im Jahre 1905 635, 1908 661 Judentaufen statt. Was die berufliche Zusammensetzung betrifft, so ist die Zahl der freien Berufe am stärksten vertreten. Ihnen am nächsten stehen die hohen Angestellten und Staatsbeamten, dann die reichen selbstständigen Kaufleute und die Studenten. Die niederen Angestellten, bei denen die ökonomische Not das treibende Moment sein sollte, sind am schwächsten vertreten. Für 1906 z. B. besitze ich genaue Angaben. Damals stellte sich das Verhältnis folgendermaßen dar: Es haben sich 396 Männer taufen lassen, davon ohne Beruf 71, Privatbeamte 90, Staatsbeamte 8, andere Intellektuelle 67, Kaufleute 52, Künstler 10, Privatiers 13, Handwerker 52, Studenten 27, Schüler 6. " Nicht ganz dieselbe berufliche Zusammenstellung frnden wir bei den sich taufenlassenden Frauen. Jede solche Zuisiammenstellung ist zwar hier dadurch erschwert, daß hier in den meisten Fällen eine Angabe des Berufes fehlt. Die Statistik der Frauentaufen scheint aber doch von anderen Motiven beherrscht zu sein: Von den 293 Frauentaufen im gleichen Jahre 1906 waren 210 Frauen ledig, 52 verheiratet, 20 verwitwet, 11 geschieden. Es ist außer Zweifel, daß bei den Frauen,

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