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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1910-12-01 · 12 (12.1910) · p. Seite 2

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
22 (1910)
Issue
12 (12.1910)
Date
1910-12-01
Page
Seite 2 (sequence 7)
Language
German
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2 Defüiitoi? der Judenfrage ist unzureichend. Die eigentlichen politischen Ziele "des Judentums müßten ungleich größere sein, als bloß Kampf gegen den Antisemitismus. Dieser Kampf ist zwar einintegrierender Bestandteil unserer politischen Aufgabe, aber er darf diese nicht erschöpfen. Die anderen politischen Aufgaben sind ungleich größer, wie. schon die Praxis des Alltages und wie auch jede historische Betrachtung ergeben muß. Das Objekt der Judenfrage, wie sie bisher aufgefaßt wurde, war das Schicksal der Judenheit. Das eigentliche Objekt der Judenfrage aber, wie es uns interessiert und wie es auch in dem mir aufgegebenen Thema zum Ausdruck kommt, ist das Schicksal des Judentums. Die Judenheit, das ist der Komplex von soundsoviel Tausend Einzelindividuen, die in einem gegebenen Zeitpunkte leben. Das Judentum, das ist die historische Kontinuität zwischen allen den vielen Judenschaften der verschiedenen Epochen, zusammen mit dem kulturellen Inhalte dieses Wortes, möge derselbe nun religiös, national oder welcher Art immer sein. Die Einzelschicksale aller in einer bestimmten Epoche lebenden Juden, d. h. das Schicksal der Judenheit könnte eventuell glänzend sein, und das Schicksal des Judentums könnte dabei doch möglicherweise katastrophal werden. Es wäre theoretisch denkbar, daß es irgend einmal einen Antisemitismus nicht: mehr gibt, daß aber dabei zum Beispiel die Religiosität des Judentums vollständig im Rückgang begriffen ist oder daß durch ein Ueberwiegen der Mischehen das substantielle Vorhandensein späterer jüdischer Generationen überhaupt in Frage gestellt ist. Dieser Judenfrage nun als Fragedes Judentums wollen wir uns heute zuwenden, und wir werden finden, daß dieselbe auch die Judenfrage in dem bisherigen ersteren Sinne vollständig involviert. Neben dem gegenwärtigen von Tag zu Tag langsam an Boden gewinnenden Streben, ein Wiedererwachen der jüdischen Nation, eine Renaissance derselben herbeizuführen, (besteht derzeit noch in ungleich größerer ^Kraft eine andere ihren Trägern sogar noch meist unbewußte Tendenz, die zur Auflösung der Nation führt. Sie ist das Ergebnis jener Strebungen, Strömungen und Entwicklungen, die man alle durch ein Schlagwort charakterisieren kann: daß sie im Sinne der Erhaltung des Judentums zersetzende Kräfte sind. Lange nicht erschöpft durch sie, aber doch eines der hervorstechendsten Symptome dieses Zersetzungsprozesses ist die Taufbewegung. Ueber die Taufbewegung wurde im Laufe der letzten Jahre viel gesprochen und geschrieben. In letzter Zeit hat in Berlin ein großes Meeting über die Taufbewegtung stattgefunden. Der Tenor aller dieser Reden läßt sich in fol-

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