Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 21 (1909)
- Issue
- 1 (1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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33 5. Die in Prag erscheinende Druckschrift „Selska omladina", Nr. 2, in welcher die jüdische Religionsgenossenschaft herabgewürdigt und beschimpft wird. 6. Die in Freiwaldau erscheinende Druckschrift „Mährisch-schlesischer Volksfreund", Nr. 77, in welcher durch eine Zusammenstellung von angeblichen Aussprüchen berühmter Männer über die Juden, diese sowohl als Religionsgesellschaft, wie als Klasse von Staats bürgern beschimpft und verleumdet werden. 7. Machen wir auf die am 9. Dezember erschienene Nummer der „Freien Stimmen" in Klagenfurt aufmerksam, in welcher zur Boykottierung der jüdischenGeschäftsleute aufgereizt wird. Jn allen diesen Fällen haben die zuständigen Staatsanwaltschaften, beziehungsweise Bezirkshauptmannschaften es unterlassen, durch Anwendung des Straf- und Preßgesetzes die Verbreitung dieser, das Vergehen nach § 302 StG. beinhaltenden Druckschriften zu behindern. Wir erheben deshalb dringende Beschwerde und stellen die Bitte: das hohe k. k. Justizministerium wolle ungesäumt die Anwendung des Gesetzes gegen die vorstehend bezeichneten Druckschriften anordnen und uns geneigtest von der Erledigung dieser Beschwerde Kenntnis geben." Der Wiener Kultusiorstand und die Gleichberechtigung. In der öffentlichen Sitzung vom 27. Oktober wurde dem Wiener Kultusvorstand vom Referenten Herrn Max Frank das Budget für das Jahr 1909 unterbreitet. Die präliminierten Ausgaben belaufen sich auf 3,035.236.12 Kronen, die Einnahmen auf 2,954.062.79 Kronen, so dass sich ein rechnungsmässiger Fehlbetrag von 81.173.33 Kronen ergibt. Der Referent schloss sein instruktives Referat mit folgenden Worten: „Sie werden mir sicher alle zustimmen, meine sehr verehrten Herren, wenn ich sage, dass es ein himmelschreiendes Unrecht ist, wenn der Staat sämtliche Kulten unterstüzt, mit Ausnahme des jüdischen, wenn die jüdischen Steuergelder mit dazu benützt werden, um die katholische, die evangelische und die griechisch-orientalische Kongrua zu bezahlen, die noch immer weiter erhöht wird, während wir selbst vollständig leer ausgehen. Wir sind treue Bürger dieses Staates, unsere stete Opferwilligkeit, unser Patriotismus, unsere treue Anhänglichkeit an das Herrscherhaus wurde nie in Zweifel gezogen, im Gegenteil, erst in jüngster Zeit aus Allerhöchstem Munde ausdrücklich anerkannt. Und so fordern wir vom Staate als vollberechtigte Bürger die Auer-