Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 21 (1909)
- Issue
- 1 (1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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32 Kreisen sympathisch gegenübersteht, wenn die StadtgemeinuV Beamte mit antisemitischer Vergangenheit anstellt und es duldet, dass die Quellenbediensteten jüdischen Kurgästen unfreuud - lieh begegnen, so sind dasv Tatsachen, für welche die legale Repräsentanz der Badestadt verantwortlich gemacht werden muss. Ich möchte nicht, dass Franzensbad die Schmach erlebe, als antisemitischer Kurort auf eine Proskriptionsliste gesetzt zu werden. Aber die offiziellen Persönlichkeiten der Stadtvertretung mögen doch wohl erwägen, dass mehr als 50 Prozent aller Kurgäste Juden sind und dass, wenn der Kampf etwa schärfere Formen annehmen sollte, ein Fernbleiben der jüdischen Kurgäste für Franzensbad ein wahres Debacle bedeuten würde Die Juden werden sich weder einen „stillen" noch einen „offenen" Antisemitismus, weder eine winterliche noch eine sommerliche Judenhetze gefallen lassen und, wenn man sie dazu zwingt, ihr Geld lieber an Orten verzehren, wo man ihnen gegenüber keine Feindseligkeit bekundet. Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei, Bürgermeister und Stadträte unserer herrlichen böhmischen Kurorte zu bewegen, dass sie im eigensten Interesse ihren Einfluss gegen die gewissenlosen antisemitischen Hetzapostel aufbieten." Zur Illustration des Bienerth'schen Boykott-Erlasses. Unser Rechtsschutzbureau hat am 22. Dezember 1908 folgende Eingabe an das Justizministerium gerichtet: „Wir beehren uns zu unterbreiten: 1. 2 Hefte der Druckschrift „Talmud a zide", gedruckt in Prag-Smichow bei Johann Kotik, in welchen Gebräuche und Einrichtungen der jüdischen Religionsgesellschaft herabgewürdigt und die Juden beschuldigt werden, aus rituellen Motiven ihre Kinder zu morden, Mädchen zu schänden und die Unmoral unter den Völkern zu verbreiten. 2. Die in Troppau erscheinende Druckschrift „Die Neue Zeit", Nr. 49, vom 5. Dezember d. J., in welcher die Juden als Betrüger, Ausbeuter und Blutsauger bezeichnet werden. 3. Die in Chotzen erscheinende Druckschrift „Lidore listy", in welcher zur Boykottierung der jüdischen Geschäftsleute aufgereizt wird. 4. Ein Zirkular des Gremiums der Kaufleute in Raudnitz, in welchem zur Boykottierung der deutsch-jüdischen Geschäftsleute aufgefordert wird.