Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 21 (1909)
- Issue
- 1 (1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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25 dem Nikolaus sehen System als Kinder zum Militärdienst ausgehoben worden waren, um dann als Erwachsene eine 20- bis 25 jährige, äusserst grausame Dienstzeit durchzumachen. Diese ausgedienten Soldaten nebst ihren Angehörigen erhielten durch Verordnung der russischen Regierung in Finnland das Aufenthaltsrecht und zogen allmählich weitere Gruppen von Volksgenossen an. Die rechtlose Lage der Ansiedler veranlasste den nachmaligen Senator Michelin, im Jahre 1872 eine Petition zu ihren Gunsten im Ständelandtage einzubringen. Seitdem hat sich jeder Landtag mit der Frage befasst; hatten früher Judenfreunde die Angelegenheit zur Sprache gebracht, so kamen später reaktionäre Judenfeinde, die darauf drängten, die Juden ganz und gar aus dem Lande zu vertreiben. In einem Landtag wurde sogar der bizarre Antrag, alle Juden auszuweisen, aber durch die Summe von 500 Mark zu entschädigen, ernstlich diskutiert. Infolge dieser Treibereien drang schliesslich in einem Landtage das finstere Gesetz durch, wonach jeder Jude, wenn er sich verheiratet, aus dem Lande zu weisen ist. Im Jahre 1889 ordnete sodann der Senat durch administrative Verfügung die Rechte de rJuden dahin, dass ihnen das Wohnen nur im drei Städten erlaubt wurde. Mit dem ersten Landtag, der nach der neuen Wahlordnung zustande kam, tauchte eine entgegengesetzte Lösung des Problems auf. Die starke sozialdemokratische Partei, die zwei Fünftel des Parlaments einnahm, brachte den Antrag auf Gewährung der Gleichberechtigung an die in Finnland wohnhaften Juden ein. Der Landtag verfiel jedoch noch vor der Erörterung dieses Antrages der Auflösung. Auch dem neugewählten Parlament unterbreiteten die Sozialdemokraten einen ähnlichen Antrag und fanden dafür die Unterstützung der schwedischen Parteien, sowie eines Teiles der Jungfinnen, und eine Kommission erhielt vom Landtag den Auftrag, einen Gesetzentwurf auszuarbeiten. Da setzte eine heftige antisemitische Agitation ein, die mit dem ganzen in Westeuropa angestapelten Rüstzeug der Judenhetzpropaganda ins Feld rückte und auf den Landtag einen Druck zu Ungunsten der Juden auszuüben sich bemühte. Vertreter kaufmännischer und Gewerbekorpörationen verlangten vom Senat und vom Landtag eine Heranziehung vor Spezialvertretern ihrer Stände bei der Erörterung der Judenfrage und ein spezielles Studium der Wirkungen der Judenemanzipation in den anderen Ländern, ehe die Judenfrage gelöst werden würde. Diese Hetzer machten dabei gar kein Hehl daraus, dass es ihnen nur darauf ankäme, die ganze Angelegenheit zu verschleppen, bis möglicherweise ein anders gestalteter Landtag gewählt werden würde. Unterdes aber hat der Senat bereits einen neuen judenfeindlichen Schritt getan, indem er vor kurzem