Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 21 (1909)
- Issue
- 1 (1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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24 der Gesellschaft so charaktervoll durchzusetzen wie beispielsweise die — jüdische Bildhauerin Theresa Feodorowna Ries. Freilich ist diese eine Russin, und sie versteht ihr Russen - tum sehr geschickt auszuspielen, gleichsam als Palladium ihrer Freiheit. Sie hat sich das Recht gesichert, ganz sie selbst zu sein — und dabei reist sie im Sommer von Schloss zu Schloss auf Besuch und sieht an ihren Empfangstagen oft mehrere hundert Personen aus der Finanzarist'okratie und Kirnstlerweit bei sich zu Gast. . . . Natürlich beginnt auch das Universitätsstudium langsam die Töchter der Wiener Bürger an sich zu ziehen, und zwar gehen hier, wie vielfach auch auf den anderen Gebieten, die Jüdinnen voran, durch Energie und Intelligenz sich vorteilhaft hervortuend. Ein besonders beliebter Typus ist die „Studentin" und die „Doktorin" freilich in der Wiener Gesellschaft einstweilen noch nicht. Um „fesch " zu sein, fehlt es diesen Damen doch manchmal an Zeitopfer oder auch an Naturbegabung." Man sieht, dass Franz Servaes, obschon oder weil er ein Reichsdeutscher ist, seine volle Unbefangenheit sich .bewahrt hat und auch seinerseits ein „Urwiener" geworden ist, der alles durch die Brille seiner Humanität Lind seines Gerechtigkeitssinnes erblickt. („Allge. Ztg. f. d. Judentum.") Mittelalterliches aus Finnland. Aus Änlass der jüngsten Judenausweisungen aus Helsingfors dringen jetzt in die Oeffentlichkeit einige beschämende Details darüber, wie es gekommen ist, dass in Finnland barbarischere Judengesetze, als in irgend einem Staate der Welt — Russland, Rumänien und selbst Marokko nicht ausgenommen — herrschen. Finnland hat sein prinzipielles Verhalten gegenüber den Juden als Erbstück von Schweden übernommen, aber nicht vom jetzigen modernen, sondern von jenem Schweden, das zu Ende des achtzehnten Jahrhunderts noch wesentliche Einrichtungen des Mittelalters kannte. Als nämlich Finnland unter die Romanows kam, bestand aus dem Jahre 1782 in ganz Schweden, mit Einschluss Finnlands, für die Juden das Recht, nur in den. Städten Stockholm, Göteborg und Nonköping ihr Domizil aufzuschlagen. In Finnland durfte also überhaupt kein Jude wohnen, und dieses Gesetz ist formell noch heute in Geltung, obgleich Finnland bereits seit hundert Jahren mit Russland politisch vereinigt ist. Erst mit dem russischen Militär wurden Juden nach Finnland verpflanzt. Vor etwa einem halben Jahrhundert kam nämlich ins Land jene Klasse jüdischer Unglücklichen, die nach