Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 21 (1909)
- Issue
- 1 (1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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26 in ein die Religionsfreiheit betreffendes Gesetzesprojekt einen Paragraphen einfügte, dass Juden keine finnischen Bürger werden dürfen. So sehen die in Finnland ansässigen Juden trüben Zeiten entgegen. Statt der Emanzipation wird ihnen das Exil zuteil, und die Reaktion scheint in bezug auf die Judenfrage die Oberhand zu gewinnen. Es gibt aber wahrlich nichts Schimpflicheres, als wenn Geknechtete andere knechten und bedrücken, Theodor Barth schreibt hierüber im „Berl. Tgbl.": Das „Berliner Tageblatt" hat bereits die Nachriehl von den Judenausweisungen gebracht, die neuerdings in Finnland sich vollziehen. Die Massregel entbehrt, vom Standpunkt der Humanität aus betrachtet, jeder Entschuldigung. Es sind durchweg arme Familien, die davon betroffen werden. Den Opfern der Verfolgung lässt man nur wenige Tage Zeit, um dem Ausweisungsbefehl nachzukommen. Die bitterste Not und eisige Kälte sind die Begleiter dieser Polizeiverfügungen, für die — wohlverstanden — nicht etwa russische Behörden, sondern die finnische Regierung verantwortlich zu machen ist. Wenn je ein gerechtfertigter Anlass zur moralischen Intervention seitens der internationalen öffentlichen Meinung vorlag, so ist er hier gegeben. In all den Jahren, in denen Finnland um seine konstitutionellen Rechte und Freiheiten kämpfte, haben finnische Patrioten sich um nichts eifriger bemüht, als um die Unterstützung der zivilisierten Welt. Ihr Bemühen ist nicht erfolglos gewesen. In allen Kulturländern fanden sich hervorragende Vertreter der Humanität, die der Gerechtigkeit finnischer Ansprüche beredten Ausdruck gaben. Diese internationale Sympathie erwies sich als eine der wichtigsten Stützen der finnischen Freiheitsbewegung. Wer immer sich damals in Finnlands trüben Tagen der Sache des finnischen Volkes angenommen hat, der hat sich damit, wie mir scheint, auch das Recht erworben, im Namen derselben Humanität, für die er einstmals gegen Finnlands Bedränger eingetreten ist, jetzt gegen finnische Bedränger aufzutreten, die, gestützt auf alle barbarische Verordnungen, über einen kleinen Bruchteil der eigenen Bevölkerung die Ausweisung verhängen. Jch hoffe, dass insbesondere auch die öffentliche Meinimg der englisch und französisch sprechenden Welt, soweit sie sich bisher als Freundin Finnlands und der Humanität bewährt hat, sich diesem Protest anschliessen wird. Man kann dem finnischen Volke zurzeit keinen grösseren Dienst leisten, als wenn man ihm Gelegenheit gibt, seinen guten Namen, der durch diese Ausweisungen einen hässlichen Flecken bekommen hat, durch sofortige Rückgängigmachung der Ausweisungen wieder zu reinigen.