Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 21 (1909)
- Issue
- 1 (1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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21 Wissenschaft sich hervorgetan hat. Ich nenne hier von seinen kritisch-biographischen Werken nur die folgenden: „Die Poetik Gottscheds und der Schweizer", „Berliner Kunstfrühling", „Göthe am Ausgang des Jahrhunderts", „Präludien", „Ein Essaybuch", „Heinrich von Kleist", „Giovanni Segantini. Sein Leben und und sein Werk", „Max Klinger", „Theodor Fontane", „Albrecht Dürer", „Shakespeare". Von seinen dramatischen: die moderne Tragödie „Stickluft", das dreiaktige Drama „Der neue Tag" und Lustspiel „Jungfrau Ambrosia" und von seinen übrigen belletristischen Sachen den Roman: „Gärungen. Aus dem Leben unserer Zeit", sowie die Novellen „Karraborrier" und „Eine Anti-Utopie". Ich kann hier auf den Inhalt des Werkes „Wien" nicht näher eingehen, sondern nur die Ansichten des Verfassers über die Juden, sowie über den Einfluss, den das Judentum auf das Wiener Leben gübt hat, auszugsweise reproduzieren. In dem Kapitel über die einzelnen Nationalitäten, die seit Jahrhunderten in der Stadt an der schönen blauen Donau den Typus des Wieners geschaffen haben, spricht er auch von dem „jüdischen Einschlag", der sich mit der Zeit immer mehr bemerkbar gemacht habe. Es heisst dann dort wörtlich: „Die Juden in Wien, das ist ein eigenes Kapitel. Ich will Sie jedoch gleich beruhigen, verehrte Freundin, ich glaube nicht im mindesten daran, dass die Juden für das Wiener Volkstum bedrohlich sind. Im Gegenteil, gerade den Juden gegenüber hat Wien die Festigkeit seiner Eigenart aufs glänzendste bewiesen, es hat sie in solch hervorragendem Masse zu „Wienern" gemacht, dass es daraufhin eigentlich beruhigt schlafen könnte. Das täte es vielleicht auch, wenn nicht gerade die Juden ein äusserst wacherhaltendes Element wären — Gott sei Dank! füge ich aus aufrichtigem Herzen hinzu. Wiens östliche Lage hat es zu einer Art von Stapelplatz für das gesamte ost-europäische Judentum gemacht, und das hat sich schon frühzeitig herausgestellt. Wie es scheint, fing die Zuflussbewegung zu Beginn des 17. Jahrhunderts an, stärker zu werden, so dass der hohe Rat sich 1625 bewogen fühlte, den Juden die Leopoldstadt als ihr Ghetto anzuweisen, dort haben sie sich dann auch bis auf den heutigen Tag besonders zahlreich erhalten. Zwar wurden sie vorübergehend (1670) aus ihrer Stätte vertrieben, ihre abermalige Zulassung erwies sich jedoch sehr bald als unabweislich. 1782 unter Josef II. kam dann das Toleranzedikt für die Juden, sehr im Gegensatz zu den Neigungen der Bevölkerungsmajorität, und es bedurfte erst der Stürme des 1848 er Jahres, um den Juden höhere' Bewegungsfreiheit zu sichern. In den zwei Menschenaltern, die seitdem'verstrichen sind, haben sich die Wiener Juden nicht bloss in nie dagewesener Weise vermehrt, sondern vor allem auch an Macht, Reichtum und