Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 21 (1909)
- Issue
- 1 (1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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20 bekanntgegebenen Gesetzen in keiner Weise übereinstimmen. Es ist begreiflich, dass, wenn der Staat solchen Anschauungen huldigt, dann der Ministerpräsident das Gesetz selbst einseitig auslegt und dass er sagt, der §302 gilt nur gegenwärtig gegen den na tionalen Boykott in Böhmen und Mähren, aber nicht gegen den Boykott gegenüber den Juden. — Redner beantragt eine Resolution, welche ihre Spitze gegen die einseitige Auslegung der Gesetze richtet und einstimmig angenommen wurde. Dr. Schwarz -Hiller sagte in seinem Schlussworte: Diese Versammlung ist einberufen zum Zwecke einer Aussprache, und diese Aussprache sollten wir miteinander fortsetzen, auch wenn wir nicht derselben Meinung sind. Aber die Grundbedingung dafür ist: Wir dürfen an die Zusammengehörigkeit nicht vergessen. — Ich bin der Ansicht, die „Union" sollte ein gemeinsamer Boden sein für alle Juden. Aber wenn wir zusammenkommen, so soll es nicht zum Kampf kommen unter uns, sondern zu einer gegenseitigen, ruhigen Aussprache. Ob es zu einer Einigung kommen wird, das weiss ich nicht. Wenn es mir gestattet sein sollte, einen konkreten Antrag zu stellen, so möchte ich beantragen ,dass wir über diese Frage noch eine Reihe von anderen Versammlungen einberufen und die Diskussionen fortsetzen, damit wir vielleicht zu einer Einigung gelangen. Der Vorsitzende erklärt, diesen Antrag der Beschlussfassung des Vorstandes unterbreiten zu wollen und schliesst sodann mit herzlichen Dankesworten die Versammlung. Ein christliches Urteil aber das Wiener Judentum. Von Dr. Adolf Kohut. In der Stadt Luegers und der Christlich-Sozialen, wo seit Jahrzehnten die Hetze gegen die Juden so üppig blüht und alles was freisinnig, freiheitlich und philosemitisch ist, von den Bütteln des Herrn von Wien aufs schmählichste angegriffen, angefeindet und mit Schmutz beworfen wird, ist ein Wunder geschehen. Ein geistreicher, scharfsinniger und graziöser Schriftsteller hatte soeben den Mut (wenn auch nur indirekt) seine Stimme gegen das wüste Treiben und Gebahren der wilden Kohorte zu erheben, und in einem wunderhübsch geschriebenen und prächtig illustrierten soeben erschienenen Werke, betitelt: „Wien. Briefe an eine Freundin in Berlin" (Verlag von Klinckhardt und Biermann in Leipzig), dem Wiener Judentum, den Söhnen und Töchtern Israels, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Dieser kühne Mann ist der bekannte waschechte ' christlich-germanische und arische Schriftsteller Franz Servae s, der auf verschiedenen Gebieten der Literatur und Kunst-