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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1909-01-01 · 1 (1.1909) · p. Seite 19

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
21 (1909)
Issue
1 (1.1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 19 (sequence 24)
Language
German
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19 ihnen Unrecht geschehen ist, für sie einzusetzen. (Lebhafter Beifall.) Ich bin nicht gewohnt, das wissen Sie alle, von mir zu sprechen, aber ich denke, ich weiss, was der Charakter von einem Juden verlangt, und ich habe dies bewiesen, denn wäre ich bloss ein Zufallsjude gewesen, dann wäre es mir ein Leichtes gewesen, meiner Karriere aufzuhelfen. Ich habe es nicht getan, und es fällt mir nicht ein, zu glauben, dass ich etwas grosses getan habe, es ist doch selbstverständlich und liegt im Charakter des Menschen, dass man seine Ueberzeugung nicht aufgibt, um Vorteile zu erringen. Ich denke also, wir bleiben bei jener Taktik, durch welche sich die Juden bis jetzt erhalten haben, und wo sie, trotzdem sie Juden sind, auf der anderen Seite mit Herz und Seele sich zu Bürgern der Nation, zu welcher sie gerade gehören, rechnen. Sekretär Fleischer erklärte, die „Union" werde stets eine öffentliche Tribüne sein für alle Juden, für die Anschauungen sämtlicher Juden, und er hoffe, dass aus der Aussprache dieser verschiedenen Anschauungen sich eine einheitliche Meinung herausbilden werde zur Abwehr der Angriffe unserer Gegner. Seien wir nicht reaktionärer als der absolute Staat, der Parteiungen wohl verboten hat, schliesslich aber Parteien zulassen musste. Es ist selbstverständlich, dass die Juden in kultureller und politischer Beziehung nicht eine einheitliche Partei bilden können, sie schichten sich doch genau wie die anderen in sozialer und politischer Beziehung. Ich bedaure es, dass die Wiener Juden dem Thema der heutigen Tagesordnung kein grösseres Interesse entgegenbringen. Der Boykott gegen die Juden drückt ja allerdings unser» Stammes - genossen draussen in der Provinz viel härter als hier in der Grosstadt. Aber, glauben Sie nicht, dass der Boykott in Wien nicht auch in der drückendsten Weise empfunden wird, — Vor einigen Jahren hat das „Deutsche Volksblatt" eine Proskriptions - liste jener jüdischen Firmen veröffentlicht, welche am Neujahrsfeiertage gesperrt haben. Als sich nun einige Geschäftsleute zusammentaten und eine Schadenersatzklage einbrachten, da hat sich das Gericht auf den formalen Standpunkt gestellt, dass die Schadenziffer nicht festgestellt ist und daher keine Entscheidung getroffen werden kann. — Wenn heute vom Boykott gesprochen wurde in allen seinen Verzweigungen, dürfen wir doch nicht des wichtigsten Boykotts und des wichtigsten Boykotterregers vergessen, das ist der S t a a t s e 1 b s t. Wer gibt denn der Bevölkerung das Zeichen, die Juden zu boykottieren? Doch jener Staat, welcher Juden es verwehrt, in den Staatsdienst zu treten, weil sie Juden sind, doch nur jene Gemeinde, welche öffentlich erklären lässt, dass Juden keine Anstellung finden, welche sogar verdiente jüdische Beamte aus dem Rathaus hinausgewiesen hat. — Das sind Zustände, welche mit den heute

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