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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1909-01-01 · 1 (1.1909) · p. Seite 17

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
21 (1909)
Issue
1 (1.1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 17 (sequence 22)
Language
German
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17 zu werden, und wir sind geschützt. Desto merkwürdiger ist es, dass dieser Paragraph nur in einer absoluten Zeit entstehen konnte und dass der Gedanke, jeder werde strafrechtlich verfolgt, der die Bürger zu Parteiungen anreizt, aus den Gedanken eines staatsrechtlichen Denkers hervorgegangen ist, der kein« Parteiungen unter den Bürgern haben wollte. Der § 302 hat also einen absoluten Charakter, allein wir sehen wiederum, dass es nicht wahr ist, dass es absolut richtige oder unrichtige Gedankensysteme oder politische Systeme gibt, dass alles vielmehr Realität ist. Als die Verfassung entstand, haben wir sie alle begrüsst, ich möchte sagen, wie ein junger Mann seine Braut. Wir haben alles Herrliche der Welt in diese Verfassung hineingelegt, sie war uns das Allerschönste und Herrlichste und Prachtvollste, das es geben kann. Aber es geht mit dem parlamentarischen System auch so, wie es dem Einzelnen geht, wenn er dann seine Geliebte heiratet. „Die Leidenschaft flieht, die Liebe "muss bleiben." Ja, die Leidenschaft flieht, in dem Zusammenleben werden die verschiedenen Schwächen und Fehler bei jedem klar, da heisst es, sich fügen und die Fehler und Schwächen erkennen und tragen. Wir wissen^ dass das parlamentarische Leben derzeit eine ganze Reihe von Schwächen und Fehlern hat und dass das Parteileben furchtbare Konsequenzen nach sich zieht, dass demagogische Elemente sich der Volksschule bemächtigen, ihr schmeicheln und ihre schlechtesten Instinkte wachrufen. Wir wissen, dass die heutige Herrschaft in Wien und in Niederösterreich dadurch aufgerichtet worden ist, dass man den bösesten Instinkten der Volksseele geschmeichelt hat. Für diese Instinkte ist ja das Rezept aus der absoluten Küche gewiss sehr gut, und man muss daher verlangen, dass der § 302 angewendet werde. Das heisst, Parteiungen müssen bestehen, aber jene Aufreizungen gegen Nationalitäten, gegen Konfessionen, gegen Klassen, die sollen nach dem gegenwärtigen Paragraph unbarmherzig verfolgt werden, und darin bin ich mit dem Herrn Referenten völlig einverstanden. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) zier nächste Redner, Dr. Jakob K o h n, bezeichnet als das wichtigste in der Rede des Referenten den Appell, die jüdische Kraft zu vereinigen. Wenn dies geschehen soll, so müssen wir verlangen, dass anstelle der verschiedenen nationalen Gefühle ein einziges Gefühl als treibendes Gefühl gesetzt werden müsse, das jüdische Gefühl. Das Jüdische muss in allen Juden das Wesentliche sein und nicht das Zufällige, das Vorübergehende. Wenn Sie also eine Einigung habon wollen, so müssen Sie alle Juden aus den nationalen Parteien und auch aus allen politischen Parteien hinausziehen. Sie dürfen dieselben Leute nicht in verschiedene Armeen verteilen, die gegeneinander marschieren, Sie müssen ein jüdi-

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