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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1909-01-01 · 1 (1.1909) · p. Seite 16

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
21 (1909)
Issue
1 (1.1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 16 (sequence 21)
Language
German
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16 alle Juden. Das ist meine Meinung. Sobald man weiss, dass es sich um Judenfragen handelt, welche das Judentum betreffen, sobald man weiss, dass es sich um Abwehr jener Bedrückungen handelt, jener Zurücksetzungen der staatsbürgerlichen Rechte, lediglich aus dem Grunde, weil es sich um einen Juden handelt, da braucht man doch nicht zu fragen, ob man als konfessioneller, nationaler, oder genossenschaftlicher Jude bezeichnet wird. Wer hat sich nun gegen den Boykott gewehrt? Bloss die „Union". (Stürmischer Beifall.) Sie hat leider auch unter den jüdischen Vereinigungen anderer Art kein besonderes Echo gefunden. Es wäre danach zu trachten, dass ebenso, wie überall in den demokratischen Staaten, prinzipiell, so auch bei den Juden ein gewisses politisches, öffentliches Leben sich entwickle, und das ist leider noch nicht der Fall. Wenn sich politische Vereine entwickeln, so raufen sie untereinander, aber sie wenden ihre Kraft und ihre Tätigkeit nicht gegen den gemeins chaftliehen Feind, und wir haben doch hier ein Gebiet, in welchem wir eigentlich alle jene zu Bundesgenossen haben, welche ehrliche Menschen sind; denn wir wollen nie etwas spezifisch Jüdisches, überall wo wir eingreifen, sprechen wir nur davon, dass wir Menschen sind, dass wir Staatsbürger sind, so wie andere, dass wir Recht für uns verlangen, so wie alle anderen, ebenso wie wir unsere Pflichten erfüllen,, wie die anderen. Der Herr Referent hat den Ausspruch von Herrn Dr. Philippovich zitiert, der sehr interessant ist. Sie wissen, Philippovich ist wirklich einer der Gelehrten, welcher für Be drückte empfindet, und welcher daher in dem, was er wissenschaftlich ausspricht, gewiss nicht getragen wird durch Gedanken zugunsten von Starken. Aber darin liegt der Unterschied zwischen unserer Auffassung und der der früheren Zeit. iWenn man den Einzelnen im Auge hat, so ist es ganz recht, der Einzelne kann seine Ware kaufen, wo er will, und kann 'denjenigen beim Ankauf der Waren vermeiden, den er will Niemandem von uns wird es einfallen, den Einzelnen bestimmen zu wollen, dass er den Einkauf der Ware bei dem vornehmen müsse und beim anderen nicht. Aber der soziale Gedanke ist es, der in unser Gedankenleben eingedrungen ist. Wir wissen, dass es nicht wahr ist, dass 100.000 Leute nichts anderes sind, als 100.000 individuell nebeneinander stehende Leute, sondern dass dadurch eine grosse Kraft gewekt werden kann, und dass 100.000 den Einzelnen wirtschaftlich, geistig und körperlich zerstören können. Diese Kraft ist es, über welche der Staat zu wachen hat. Nun haben wir den § 302, der sehr scharf ist. Und es ist interessant, dieser § 302 ist für uns derzeit von grossem Nutzen, er braucht nur angewendet

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