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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1909-01-01 · 1 (1.1909) · p. Seite 15

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
21 (1909)
Issue
1 (1.1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 15 (sequence 20)
Language
German
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15 zu erwerben, und waren nicht imstande, rasch einen Befehl zu geben, beispielsweise, zwei Schiffe nach Messina zu schikken, welche gleich hilfsbereit eingetreten wären, so dass man das Gefühl hätte, dass hier wirkliche Menschlichkeit das Wort redet. Unsere Bureaukratie hat dies nicht zugegeben, und wir haben dadurch gewiss sehr viel an Sympathie verloren. Diese Schwierigkeit, wie gesagt, ist allerdings ganz allgemein. Das, was der Jude speziell zu empfinden hat, ist, dass er allerdings in dem Staatsgrundgesetze als Staatsbürger anerkannt ist, aber in der Gesellschaft noch lange nicht. Wir müssen uns allerdings mit einer gewissen historischen Erfahrung, wenigstens teilweise, trösten, die Weltgeschichte geht sehr langsam und 100 Jahre sinken wie ein Tag. Wenn wir 65—70 Jahre zurückdenken — wir können es wohl selbst nicht, aber unsere Väter haben es uns noch sagen können — so finden wir Zustände, gegen welche die gegenwärtige Lage, trotz der Schwierigkeiten, über welche wir noch immer zu klagen haben, geradezu glänzend ist. Es nützt nichts, wenn die historische Bewegung einmal anstatt eines Schrittes, zwei Schritte nach vorn macht, so ist es gewiss, dass sie sofort einen Schritt zurück nsidoht. Es ist unsere Pflicht, uns zusammen, zu tun, and einig, stark und zähe alle Kräfte einzusetzen, dass uns unser staatsbürgerlich gewährleistetes Recht werde, und alles zu tun und uns gegen alles zu wehren, was diesem Rechte zuwider ist. Der Vortragende hat darauf hingewiesen, dass der Einigungspunkt die Kultusgemeinde wäre. In diesem Punkte unterscheide ich mich allerdings von ihm. Ich halte von den sogenannten Zwangsgenossenschaften sehr wenig. Sie repräsentieren und versehen eine Reihe von Funktionen, aber ihrer ganzen Natur nach sind sie träge, entbehren des eigenen gesunden und feurigen Lebens, und doch ist es nur das Leben, das helfen kann. Deshalb, ich bekenne es, habe ich eigentlich einen anderen Schluss vom Vortragenden erwartet. Wir sprechen jetzt in einem Vereine, welcher ein freier und ein politischer Verein ist, und ich sehe nicht ein, warum wir in diesem Vereine nicht alles konzentrieren sollen, was eben politische Kraft, politischen Eifer, politische Tätigkeit und politisches Leben verlangt, und wenn der Herr Vortragende gesagt hat, es gebe dreierlei Arten von Juden, die konfessionellen Juden, die nationalen Juden, und diejenigen, welche ich als genossenschaftliche bezeichnen will, welche sagen, ich bin nicht konfessionell und nicht national, aber ich gehöre in die Genossenschaft und denke und empfinde genossenschaftlich, und fragt man: „Worin einigen sie sich?" so liegt die Antwort auf der Hand: Der konfessionelle, nationale und genossenschaftliche Jude sind

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