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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1909-01-01 · 1 (1.1909) · p. Seite 12

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
21 (1909)
Issue
1 (1.1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 12 (sequence 17)
Language
German
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12 die Mittel, eigentlich über eine Vorbereitungsaktion gegenüber derartigen Boykottbewegungen zu sprechen. Bevor ich dies tue, will ich Ihnen zwei Aeusserungen hervorragender Abgeordneter vorlesen. In der letzten Zeit sind unter den Juden selbst derartige Zwistigkeiten aufgetreten, dass man sich fragen muss, wie sich die Juden, eine von so vielen Feinden bedrängte Volksgruppe, einen derartigen Luxus überhaupt gestatten können. Im Jahre 1908 hat hier im Hotel Post eine Versammlung der Juden wegen der Resolution Schmidt stattgefunden. Damals sagte der Abgeordnete Ofner: „Mehr als je ist es notwendig, dass sich die Juden Oesterreichs einigen", und Abgeordneter Mahl er erklärte: „Es ist hoch an der Zeit, dass wir all die alten Zwistigkeiten begraben und uns einigen zur Politik der Selbsthilfe." Und nun, meine verehrten Herren, ist von jener Versammlung der Gedanke der Einigung ausgegangen — und diesen Gedanken möchte ich auch hier betonen. Die ewigen, heftigen Zwistigkeiten müssen aufhören, und es muss gelingen, eine gemeinsame Plattform zu finden, auf der sich die Juden der verschiedensten Anschauungen treffen könnten. Die einen sagen, es gibt nur konfessionelle Juden, die anderen sagen, es gibt nur nationale Juden, eine dritte Gruppe wieder sagt, wir sind Juden, weil wir uns als Juden bekennen. Wir stammen aus diesem Milieu und sind in dieser Tradition auferzogen worden. Kurz und gut, es gibt drei Klassen von Juden, welche sich alle drei als Juden bekennen, und für all diese muss ein Einigungspunkt gefunden werden, auf dem sie sich alle im Kampfe gegen die Feinde treffen. Ich komme nun mit einem bescheidenen Vorschlag, und ich bin überzeugt, dass Sie mit mir jetzt nicht übereinstimmen werden, später aber einmal sicherlich auf ihn zurückkommen werden. Ich habe darüber nachgedacht, wo wir eine derartige Organisation finden können, welche lediglich dem reinen Vorbereitungszwecke dienen soll, die verschiedenen, streitenden Gruppen der Juden zu vereinigen. Wir brauchen nicht zu suchen, denn wir besitzen bereits eine derartige Organisation, und das sind die Kultus - gemeinden. Diese stellen nicht nur nach den Statuten, sondern auch nach den realen Verhältnissen nicht bloss die Kultusbehörden, sondern auch die Repräsentanz der Juden überhaupt dar. Die Kultusgemeinden haben sich meiner Ansicht nach nicht lediglich um reine Kultusangelegenheiten, sondern in erster Linie auch um kulturelle und soziale Aufgaben zu kümmern. Ich möchte bloss auf die vergangenen Wiener Kultuswahlen verweisen, wo ja von den wahlwerbenden Parteien Programme entwickelt wurden, welche sich grösstenteils mit sozialen und kulturellen Aufgaben befassten. Die Organisation der Kultus-

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