Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 21 (1909)
- Issue
- 1 (1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Turnlehrer abgibt. Der Sekretär der Handelskammer, welche Institution in Oesterreich ja „liberal" ist, hat nun gesagt, es sei nicht nötig, dass man den Juden die Abweisung des Gesuches, diese war nämlich beantragt worden, begründen müsse. Der Gemeinderat erklärte nun, die Turnsäle könnten den Juden nicht überlassen werden, da die Juden weder ein Verein seien, noch mit Turnlehrern in irgend einer Verbindung stünden. Ich will zum Schluss auf die wirtschaftliche Boykottbewegung ganz kurz zu sprechen kommen. Diese wirtschaftliche Boykottbewegung zeitigt ganz eigenartige Erscheinungen. Sie tritt entweder saisonmässig auf oder konstant. Zum Beispiel in Wien zur Weihnachtszeit oder zu Ostern, wenn man wusste, dass die Bevölkerung grössere Einkäufe mache, sind Aufrufe zur Boykottierung der Juden in den Zeitungen gestanden, und waren in gewissen Bezirken auch von Erfolg. Da hat seiner Zeit ein Mann im Verein „Christliche Familie" folgende* Rede gehalten: „Es ist Ihnen jetzt vielfach vorgepredigt worden, was Sie alles zu Weihnachten zu tun haben. Es ist gut, dass wir es schon so weit gebracht haben, dass sich jede Christin schämt, zu einem Juden hineinzugehen. Noch besser aber wird es sein, wenn sie überhaupt zu keinem Juden hineingeht. Die Christen sollen bei Christen einkaufen und die Juden bei den Juden, dann werden wir sehen, wie sich die Geschichte ausgleicht. Jeder muss seinen Nächsten unterstützen, und uns Christen sind die Christen die Nächsten. Es ist in der letzten Zeit eine gewisse Milderung in den Gegensätzen eingetreten. Diese Milderung wird von unseren Gegnern sofort dazu benützt, um unsere Position, wenn möglich, zu erschüttern. Es bleibt daher nichts anderes übrig, als auf den alten Katechismus zurückzugreifen und wieder jene Reden zu halten, die am Beginne unserer Bewegung gehalten worden sind." Ich glaube, nach dem Ton der Rede wird der Redner sofort bekannt sein. Es ist der Wiener Bürgermeister Dr. L u e g e r, der auch die Staatsgrundgesetze beschworen hat. Nun muss ich in erster Linie der „Union" danken. Dieser Verein leistet in grossartiger Weise Positives, es ist dies keine Schmeichelei, denn es ist nur recht und billig, dort zu loben, wo man loben muss, und zu tadeln, was zu tadeln ist. Der Verein „Union" hat unter der Leitung seines Präsidenten Mayer und auch dadurch, dass er einen Sekretär, wie ihn nur wenige Vereine haben, in H. Fleischer besitzt, in grossem Umfange Gegenaktionen gegen alle Aktionen, durch welche die Juden geschädigt werden sollen, eingeleitet. Dieser Verein hat sofort bei jeder Boykottbewegung oder wenn eine amtliche Persönlichkeit den Eid, den sie geleistet hatte, um eine gut dotierte Stelle zu bekommen, gebrochen hatte, die erforderlichen Schritte ge-