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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1909-01-01 · 1 (1.1909) · p. Seite 9

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
21 (1909)
Issue
1 (1.1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 9 (sequence 14)
Language
German
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9 Kulturträgerin ausgibt, die Vertreter der deutschen Nation, haben dafür gestimmt. Von dieser Gruppe will ich nun auf den gesellschaftlichen Boykott zu sprechen kommen. Ich möchte ein interessantes Beispiel hierfür aus dem Jahre 1908 anführen: Wie Sie wissen, hat es in Oesterreich einmal einen Ministerpräsidenten Graf Franz Thun gegeben. Dieser Graf hat in Böhmen grosse Güter, und auf einem dieser Güter einen kleinen Beamten. Dieser fand in Bodenbach ein Mädchen, das ihm gefiel. Sie war Jüdin. Nach zwei Wochen wurde er zum Zentralverwalter gerufen, welcher ihm bedeutete, dass er doch wissen müsse, dass Graf Thun ein Antisemit sei und es nicht dulde, dass seine Beamten mit Juden verkehren. Ein weiteres Beispiel sind die antisemitischen Hetzereien in den Sommerfrischen, welche zum grösstenteil ihren Wohlstand aus jüdischem Gelde erworben haben. So versandte z. B. die Sommerfrische Kitzbühel Reclambücher, in welchen sich die Bemerkung befand „Juden werden Auskünfte nicht erteilt". Eine ganz merkwürdige Erfahrung hat Dr. Max Bernhard in «iner Sommerfrische in der Bezirkshauptmannschaft Bruck a. M. gemacht. Da waren vom Verschönerungsvereine Bänke aufgestellt, welche nicht etwa mit Kreide, sondern mit Blechtafeln versehen waren mit der Aufschrift: „Für Juden und Judensprösslinge kein Platz". Eine weitere Merkwürdigkeit ist darin zu finden, dass sich Dr. Rhön, der Sekretär des Landesverbandes zur Hebung des Fremdenverkehrs in Innsbruck, eine Rede voll der brutalsten Beschimpfungen der Juden geleistet hat. Darauf hat ihm ausser der Monatsschrift der „Union" keine österreichische Zeitung geantwortet, wohl aber eine ausländische Zeitung, welche den Juden geraten hat, dorthin nicht zu gehen, wo man sie nicht gerne sieht. Nachdem Sie gehört haben, was unser Strafgesetz besagt, werden Sie sich nach jedem Falle klar sein können, ob eine Aufhetzung gegen eine Nation, Klasse oder Religion stattgefunden hat. Und wenn Professor Philippovich sagt, dass der Staat gegen solche Erscheinungen nicht auftreten könne, so sage ich, dass dem Staate wohl die Macht in die Hand gegeben sei, indem man Zeitungen, welche solche Artikel bringen, konfisziert, und derartigen Vereinen, in denen sich Sekretäre solche Reden wie Dr. Rhön leisten, die staatliche Subvention entzieht. Im deutschen Schulverein, welcher von jüdischen Mitteln unterstützt wurde, ist eine Bewegung eingetreten, infolge welcher die Juden hinausgeekelt wurden. Ich möchte noch eine ganz kleine Geschichte an* führen: Die Innsbrucker Juden 'hsaben sich in einer Kleinigkeit an den Gemeinderat gewendet, er möge ihnen die Turnsäle der Volksschule zur Verfügung stellen. Nun ist in Innsbruck die Regel, dass man die Turnsäle nur an Vereine oder

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