Mannheim
Compact Memory

Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-12-01 · 12 (12.1908) · p. Seite 26

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
12 (12.1908)
Date
1908-12-01
Page
Seite 26 (sequence 28)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9756662-9603886-9604258--2136-9604286
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

;" 26 (Eine nette Förderung des Fremdenverkehrs.) Unsere unter diesem Titel im Novemberheft enthaltenen Ausführungen haben vielfach lebhaften Wiederhall gefunden. Der in Innsbruck erscheinende „Tiroler Wastl" druckt dieselbe wörtlich nach und das Organ des Zentralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Berlin, „Im deutschen Reich", macht folgende Bemerkungen: „Trotzdem der AJpensport dem Tirolerland einen von Jahr zu Jahr steigenden Zuspruch von Fremden verschafft, die nicht desselben Glaubens sind wie die Tiroler Bevölkerung, dieser aber dadurch zu einem früher dort nie gekannten Wohlstand verhelfen, ist in dem Lande der „Glaubenseinheit" der religiöse Fanatismus noch immer vorherrschend und wird durch die anheimelnde ländliche Leutseligkeit nur stellenweise übertüncht. In demselben Maßstabe, in dem der starke Fremdenverkehr den Wohlstand der Tiroler steigerte, haben sich deren Anspruchslosigkeit und das freundliche Entgegenkommen gegen die dem Lande nützlichen Sommergäste verringert. Iis ist eine bekannte Tatsache, auf die wir durch eine Notiz in unserer Liste „antisemitischer Erholungsorte" in allen Sommermonaten seit langer Zeit regelmässig verweisen, daß der Fremdenverkehrverein in Kitzbühel in Tirol Reklamebücher mit dem Stempel versendet: Beschluss der Generalversammlung 1897: „Anfragen von Juden bleiben unberücksichtigt." Nun wird man sagen: „Eine Schwalbe macht keinen Sommer, e i n antisemitischer Fremdenverkehrsverein in Kitzbühel kann doch nicht für die in der ganzen Provinz Tirol herrschende Stimmung maßgebend sein." Aber das, was der Sekretär des L andesVerbandes für Fremdenverkehr in Tirol öffentlich äußert, wird man doch wohl dafür gelten lassen müssen! j Wenn der Tiroler Landesverband für Fremdenverkehr derartige Gesinnungen seines Sekretärs nicht desavouiert, sollten ihm die reichsdeuts c hen Juden die Möglichkeit bieten, zu beweisen, ob er durch religiöse Unduldsamkeit und durch Verhetzung Andersgläubiger den Fremdenverkehr heben oder auch nur auf der jetzigen Höhe erhalten kann. Von den deutschen Juden erwarten wir aber soviel Selbstgefühl, daß sie sich nicht solchen Tirolern aufdrängen, die zwar ihr Geld nehmen, sie aber nur als geduldete Fremdlinge ansehen! Die Tiroler sollen nicht uns boykottieren; wir wollen sie meiden! Es giebt genug Alpenhöhen, auf denen vorurteilslose Menschen wohnen!"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.