Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 12 (12.1908)
- Date
- 1908-12-01
- Page
- Seite 20 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Mussaffia, Stricker, Neusser, Rokytanski, Albert, Skoda getan haben, das hat uns allen nichtdeutschen Völkern das Bürgerrecht an der Wiener Universität verliehen. Durch gemeinsame Arbeit ist sie das geworden, was sie /heute ist. Sie können das heute nicht mehr auslösen und Sie mögen vom Fremdlingtum sprechen so viel Sie immer wollen, die geistige Arbeit, die wir geschaffen und geleistet haben, gibt ,uns das Bürgerrecht, und gegen diese geistige Kraft werden noch so gewaltige und noch so rohe Fäuste nichts auszurichten .vermögen. Wir schätzen das Wesen der Wissenschaft und Kultur viel zu hoch, als daß wir um irgendwelchen Brutalitäten willen das Anrecht auf Kultur und Wissen preisgeben würden. (Beifall. — Abgeordneter Bielohlawek: Wegen der katholischen Studenten war keine solche Begeisterung!) Ich bin verpflichtet, Herr Landesausschuß, für meine Leute einzutreten, tun Sie das für Ihre Leute. (Zwischenrufe.) Von diesem akademischen Boden werden wir uns durch keine Brutalitäten und durch keine noch so famosen Waidhofner Beschlüsse vertreiben lassen. Wir sind viel zu stolz, als daß wir . glauben würden, unsere Ehre balanziere auf der Spitze eines Schwertes. , Darüber sind wir uns vollständig klar! Aber was uns an der Sache so tief verletzt, was wir so niedrig und niederträchtig .finden, ist der darin gelegene animus injuriandi, das Verlangen — mit einem Worte — ein ganzes Volk zu beschimpfen . und zu verhöhnen, und zwar nur aus dem einzigen Grunde, um die eigene Feigheit damit zu decken, weil man es nicht wagt, sich vor die jüdische Klinge zu stellen. (Gelächter.) Ja, meine Herren, solange die Juden nicht fechten konnten, gab es keine Waidhofner Beschlüsse. Mit dem Momente, wo wir Juden den Säbel geführt haben, da wir ihnen über den ungewaschenen Mund gefahren sind, da haben sie auf einmal entdeckt, daß die Juden ehrlos seien. Mit vernichtenden Worten geißelt Redner die Absicht der deutschnationalen Studenten, durch Sperrung der mensa academica den nichtdeutschen armen Studenten das Brot zu entziehen. „Meine Herren! Ich schäme mich, daß so etwas im 20. Jahrhundert möglich ist. Es ist beschämend für (uns und unsere Kultur, und ich erschrecke bei dem Gedanken, daß vielleicht einmal eine zukünftige Zeit unsere heutige Epoche nach derartigen barbarischen Aeußerungen beurteilen könnte. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wenn man erst einmal so weit gekommen ist, wenn man den Menschen, den hungernden, frierenden Menschen, vom gedeckten Tische davonjagt, dann ist an Ihnen das Wort Grillparzers zur Wahrheit geworden: Durch Nationalität zur Bestiali-