Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 12 (12.1908)
- Date
- 1908-12-01
- Page
- Seite 21 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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21 tat! (Zustimmung.) Und hier spreche ich nicht ,mehr im Namen der Juden, ich habe dazu keinen Auftrag, da hört sich jeder Unterschied auf, denn wenn es etwas gibt, was international ist, so ist. es der Hunger. Ja, die Herren, die mit gefülltem Bauch dastehen, haben es leicht, die Armen davon zu jagen. Was wissen Sie! (Zwischenrufe des Abgeordneten von Stransky.) Schämen Sie sich! Sie haben mit Ihrem Vorgehen die deutsche Kultur prostituiert. Schämen Sie sich! Sie sind ein Schandfleck für das Deutschtum! (Zwischenrufe des Abgeordneten von S t r an s k y.) - Das eine sage ich Ihnen, Herr von Stransky: Wenn es jemals e ine jüdische Mensa geben wird, diese Barbarei wird bei uns nicht vorkommen, daß wir einen Hungernden davonjagen (Beifall.); dessen sind nur Sie fähig. Verzeihen Sie, meine Herren, meine Erregung. Facit indignatio versum! Wer über gewisse Erscheinungen der Barbarei sich nicht aufregen kann, hat das Recht, sich einen Kulturmenschen nennen zu dürfen, überhaupt verwirkt. Und oft, meine Herren, steigen Zweifel in mir auf, ob diese vielgepriesene Kultur, der so hochgefeierte Fortschritt, auf den wir so stolz sind, wirklich einen so großen Realwert hat und ob angesichts solcher Erscheinungen nicht vielleicht jener geistreiche Franzose recht behält, der da sagt : „Nicht die Formen der Kultur, sondern nur die Formen der Unkultur wechseln, sie selbst bleibt aber immer die gleiche." Und doch, auf der anderen Seite, meine Herren, müssen wir angesichts der Tatsache, daß die Herren mit ihren Anschauungen vereinsamt geblieben sind, wieder Zutrauen fassen. Noch gibt es auf allen Bänken dieses Hauses Männer, die in gleicher Weise für Kultur und Fortschritt eintreten und die Barbarei verdammen. Die Aufgabe ist nur, diese Männer zu finden oder vielleicht besser gesagt: die Aufgabe ist es, daß sich diese Männer finden, daß sie über alle trennenden Grenzen der Nation, Rasse und Konfession sich die Hände reichen zur gemeinsamen Arbeit, damit, dieses Haus werde, was es in Wirklichkeit sein soll, nicht bloß ein Haus der Völker, sondern ein Haus für die Völker Oesterreichs. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.)