Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 12 (12.1908)
- Date
- 1908-12-01
- Page
- Seite 19 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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19 gearbeitet haben, daß wir vor allem und einzig und allein das Recht verlangen, hier zu leben und hier zu arbeiten. Und wir verlangen dieses Recht bloß ,um unserer selbst willen. Das, was wir Juden für die Kultur und unter den Völkern geleistet haben, das, was wir besonders für Oesterreich getan haben, das hat uns mehr als alle papierenen Edikte das Bürgerrecht hier in diesem Lande, das Bürgerrecht in 'der europäischen Kultur verliehen. Und alles das, was geschaffen wurde, können Sie aus dem Kulturgebilde nicht herauslösen, ohne das ganze Gewebe zu zerstören. Wir werden uns gewiß nicht davon abdrängen lassen, sei es durch irgendwelche Scheinargumente, sei es auch durch Brachialgewalt; wir verlachen diese frechen Reden, die uns zu Fremdlingen auf diesem Boden stempeln wollen. Wenn man einmal mit dem Bedrängen, mit der Drangsalierung der Minoritäten bei den Juden angefangen hat, dann hört man bei den Juden nicht auf. (Abgeordneter Bi.elohlawek: Man hat auch mit den katholischen Studenten angefangen!) Sehen Sie, Herr Landesausschuß, das ist die Folge dieses Brutalisierens einer Minderheit. (Abgeordneter Bieloh lawek: Ich bin auch nicht dafür, auch nicht gegenüber den Juden. Ein Jude soll, wo er im Rechte ist, recht haben; Sic verlangen es aber auch, wenn Sie im Unrecht sind, durch Ihre elende Eresse! Recht bleibt immer Recht, wo immer es auch ist!) Ich nehme mit Freude zur Kenntnis, daß Herr Landes - ausschuß B i e 1 o h 1 a w e k erklärt, Recht muß Recht bleiben. Wir werden uns das wohl einschreiben und werden Gelegenheit nehmen, .den Herrn Landesausschuß und seine Partei gelegentlich daran zu erinnern. Dr. Mahler geht hierauf zur Besprechung der jüngsten Vorgänge an der Wiener Universität über. „Man hat die nichtdeutschen Studenten überfallen und brutalisiert, man hat uns erklärt, wir seien Fremdlinge an dieser Universität. Nein, und tausendmal nein, wir sind keine Fremdlinge an dieser Universität! Wir sind hier ebenso vollberechtigt wie alle anderen. Aber selbst, wenn — ich lehne es ausdrücklich ab — man sich auf den Standpunkt stellei] würde, wir seien Fretadlinge, haben Sie denn vergessen, daß mit diesem Uebenfall das größte Verbrechen begangen wurde, für das die Antike gar keine Sühne kennt, daß in Wien das Gastrecht in der niederträchtigsten Weise verletzt und neleidigt wurde. Ich lehne es, wie gesagt ab, mich auf diesen Standpunkt zu stellen. Die Wiener Universität ist noch eine österreichische Hochschule, sie ist Allgemeinbesitz der Völker Oesterreichs und alles das, was die großen Geister, die besten der Völker für diese Hochschule geleistet haben, was ein Jagic,