Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 12 (12.1908)
- Date
- 1908-12-01
- Page
- Seite 18 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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18 primitive Rechtdes Menschen auf Heilung finden. Hier müssen unsere Kultusgemeinden eintreten. Und da meine ich, meine Herren, es ist, ganz abgesehen von der Frage der Gleichberechtigung, höchste Pflicht des Staates, wenn wir schon einen Teil dieser Leistungen auf uns genommen haben, auch seinerseits für uns einzutreten. Doch, meine Herren, diese Budgetpost, oder besser gesagt, das Fehlen dieser Budgetpost ist so recht bezeichnend für die Auffassung von dem Wesen der Gleichberechtigung uns gegenüber. Sie werden es, meine Herren, kaum glaublich finden, ja, Sie werden, fürchte ich, glauben, daß ich aufschneide, wenn ich Ihnen sage, daß die oberste Instanz für die jüdischen Kultusgemeinden, die oberste Instanz für die Entscheidung in jüdischen Kultangelegenheiten in den Händen eines N i c h t j u d e n g e 1 e g e n i s t. Ich will dem betreffenden Herren damit gar nicht nahetreten; im Gegenteil, ich erkenne gern seinen Eifer und seine Unparteilichkeit an. Aber, meine Herren, stellen Sie sich nur ^ie darin gelegene Verhöhnung vor! Fragen Sie sich, ob es einem anderen Kultverband, einem anderen Volke gegenüber möglich wäre, als oberste, entscheidende Stelle über seine eigenste Angelegenheit, die Kultangelegenheiten, einen Angehörigen einer fremden Konfession zu bestimmen. Und das traurigste, meine Herren, ist, daß wir alle dies«' Dinge, diese täglichen Rechtsbrüche und Verhöhnungen als etwas Selbstverständliches hinnehmen, daß sich niemand darüber aufregt, daß man gerade im Gegenteil, wenn wir Juden einmal unser Recht verlangen, dies uns als unerhörte Kühnheit auslegt. Redner bespricht sodann die verderbliche Tätigkeit des Generalstabsarztes Dr. Uriel, dessen antisemitischen Tendenzen das militärärztliche Korps dezimierte, und führt dann aus: „Die Juden des Ostens und des Westens sind aus ihrem lethargischen Schlafe erwacht, sie sind endlich zu der Erkenntnis gekommen, daß sie mit dem Betteln um Brosamen an fremden Tischen höchstens nur die Agonie verlängern, niemals aber ein freudiges Leben führen können. Diese Juden, die der Welt so viel gegeben, die der Welt die Kultur, die Gesittung gegeben haben, auf der heute die ganze zivilisierte Menschheit fußt, angefangen mit den Aposteln, die ja Juden waren, diese Juden haben es satt, immerfort um-Woleranz zu betteln, diese wäre zu erlangen endlich auch ihr Recht. Wir stehen auf dem Standpunkte, daß wir, die Wir seit Tahrhunderten auf diesem Boden sitzen, die wir ehrlich mit-