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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-12-01 · 12 (12.1908) · p. Seite 16

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
12 (12.1908)
Date
1908-12-01
Page
Seite 16 (sequence 18)
Language
German
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16 und wenn sie das erstere einmal gelernt hat, daß sie dann diese feine Distinktion zwischen Juden und Nicht] uden sehr bald verliert. (Sehr richtig!) Man hat einmal das Prinzip der brutalen und unbedingten Geltung der Majorität aufgestellt. Wenn einmal die erdrückende Uebermacht vorhanden ist, dann darf diese tun, was sie will. Und die Menge war eigentlich logischer als die Herren, die sie dieses Prinzip lehrten. Die Menge sagte sich: Was wir dieser jüdischenMinorität gegenüber uns täglich unter Anführung der Behörden erlauben dürfen, warum sollten wir uns dies nicht auch einmal einer anderen Minorität gegenüber erlauben dürfen? (So ist es!) Es ist versucht worden, den nervus iusticiarius uns Juden gegenüber zu lähmen. Das ist glänzend gelungen. Jch muß den Herren hier das Zeugnis ausstellen: nach dieser Richtung hat man sich ^glar nichts vorzuwerfen. Aber man hat vergessen, daß, wenn der nervus iusticiarius erst einmal gelähmt und tot ist, er eben allen gegenüber tot ist und daß die Herren, die als Majorität so gerne bereit sind, uns zu brutalisieren und zu drangsalieren, selbst auch Minoritäten haben, und daß man gelegentlich dieses Prinzip auch diesen Minoritäten gegenüber anwenden kann. (Sehr richtig!) Allerdings, wenn das dann passiert, dann werden scheinheilig die Augen verdreht, dann wird über Verrohung der Sitten gejammert und geklagt, wie tief die Kultur gesunken ist. Aber das kann niemanden täuschen. Man muß da an die eigene Brust schlagen und sagen: mea culpa, mea maxima culpa! (Lebhafte Zustimmung.) Ich weiß sehr wohl, daß man dies zu leugnen und in unvergleichlicher Hypokrisie darüber mit schönen Worten hinwegzugehen sucht. Aber ist es denn gar so lange her, daß man uns Juden in Oesterreich damit gedroht hat, man werde mit uns russisch sprechen? Nebenbei gesagt: Wir fürchten uns nicht. Sollte man es wirklich einmal versuchen, dann werden die Juden eben versuchen müssen, japanisch zu antworten. (Sehr richtig!) Also, das erschreckt uns nicht, Aber, wenn Sie erst einmal diese schöne (Konversationsspräche in Oesterreich eingeführt haben, dann werden Sie sie nicht auf den Verkehr von Nichtjuden und Juden beschränken können. Ebenso wie die Anarchie, so .sind die Zustände, über die scheinheilig geklagt wird, nur eine natürliche und naturgemäße Folge, nur die Frucht von /einem Giftbaum, den Sie selbst gepflanzt haben. (So ist es!) Rechtsbewußtsein gegenüber den Juden! Schon die bloße Zusammenstellung dieser Worte mutet einen wie ein Hohn

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