Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 12 (12.1908)
- Date
- 1908-12-01
- Page
- Seite 14 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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.jk..^..^ .- ■■■;.;■£.■. 14 Sachen mehr als zur Genüge begründet, wenn der Abgeordnete Dr. Straucher nunmehr an die Gesamt regierung die Frage richtet, ob sie gedenke, mit tunlichster Beschleunigung die geeigneten gemessenen Weisungen an die kompetenten Organe wegen energischer, verzugsloser Inangriffnahme und Durchführung jener Maßnahmen zu erteilen, damit die Gesetze respektiert und die jüdischen Staatsbürger geschützt werden. Die Frage kommt sehr zur rechten Zeit, um den Boykotterlaß des Ministerpräsidenten, Freiherrn von Bienerth, in das richtige Licht zu stellen. Was in der Bukowina geschieht, ist genau dasselbe, was der Erlaß für Böhmen und Mähren verurteilt. Gilt im Osten des Reiches ein anderes Straf- und Preßgesetz als im Westen? Stehen Deutsche und Czechen mehr unter dem Schutze dieser Gesetze als die Juden? Wir wollen eine Weile warten, ob und welche Antwort die Regierung auf di<" Interpellation des Abgeordneten Dr. Straucher erteilt. Erfolgt eine solche nicht, oder fällt sie unbefriedigend aus, dann ist Dr. Straucher wohl Mannes genug, um in der Bukowina eine entsprechende Organisation zur Selbstverteidigung der Juden zu schaffen, und wir erklären uns bereit, ihn hierbei mit allen Kräften zu unterstützen. * * * Rede des Abgeordneten Dr. Mahler. In die Debatte über das Budgetprovisorium hat auch der jüdische Abgeordnete Dr. Mahl er mit einer glänzenden Rede eingegriffen, in welcher er den vollen Anspruch der Österreichs chen JuUen auf das gleiche Recht und auf Anerkennung der großen Kulturarbeit, die sie in diesem Staate verrichteten, vertrat, zugleich aber scharfe Kritik an der unverdienten Zurücksetzung und Kränkung übte, welche der jüdischen Bevölkerung nicht nur von anderen Volksstämmen sondern auch seitens der Regierung zuteil wird. Wir geben nachstehend die wichtigsten Stellen dieser mannhaften und warm empfundeneti und doch in der Diktion vornehmen Rede wieder: Dr. Mahl er besprach zunächst die jüngsten Erscheinungen und Auswüchse der deutsch-böhmischen Sprachenzwistes und fuhr fort: „Als die Juden des Ostens, diese viel Geschmähten und viel Verspotteten, die doch an Treue und aufrechtem Mannes - mut gar vielen als Beispiel dienen könnten, die sich hier stolz und erhaben dünken, uns als ihre Vertreter hierher sandten, gaben sie uns die Parole mit auf den Weg: Zieht hinauf und kämpfet mit. Ihr sollt für Freiheit, Recht und Fortschritt mitstreiten, aber ihr sollt nie mithadern. Nie sollt ihr n a c h Rechte n verlangen, sondern immer nur nach dem Rechte und