Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 12 (12.1908)
- Date
- 1908-12-01
- Page
- Seite 13 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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13 gehörigen ist, wenn sie unsere ehrenwerten, braven Mädchen, die ihnen so herrliche, angenehme Häuser auf zuerbauen imstande sind, verstoßen und ohne Stütze und Halt dastehen, oder aber Mädchen heiraten, mit welchen sie ja doch niemals zu einem innigen, harmonischen Ganzen verbunden werden. Mögen aber auch die Führer und Vorsteher in Israel, die Vorsteherinnen unserer Frauenvereine diesem ernsten Probleme ihre Aufmerksamkeit zuwenden, denn es ist ein Problem, das viel ernster und wichtiger ist, als so manche andere Institution, um die man sich heute unnützerweise gar zu viel schert. Noch ist es Zeit! Caveant consules usw. (»Gemeindebote«, Graz.) Aus dem Parlamente. Die Judenhetze in der Bukowina. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 14. d. M. brachten die Abgeordneten Dr. Straucher und Genossen eine Interpellation an die Gesamtregierung über die Duldung der ordinärsten Judenhetze durch das in Czernowitz erscheinende „Bukowiner Volksblatt" ein. Der Wortlaut der Interpellation deckt sich fast vollständig mit dem von Dr. S t r a u - eher verfaßten Texte jener Eingabe, die der genannte Abgeordnete namens des jüdischen Nationalvereins in Czernowitz im Septejmber d. J. an den Ministerpräsidenten, den Justizminister und den Landespräsidenten richtet, und die wir in ihrer Gänze im Oktoberheft der Monatsschrift veröffentlichten. — Ueber jene Eingabe hinaus konstatiert jedoch die Interpellation noch das bemerkenswerte Faktum, daß jenes Hetzblatt noch im 6. Dezember d. J. einen rüden Artikel gegen die Juden publizierte, in -welchem es wörtlich hieß: Diese Heuschrecken, die das Land verwüsten und verpesten, müssen ausgerottet werden mit Stumpf und Stiel." Wir nennen dieses Faktum deshalb bemerkenswert, weil in einer Unterredung, welche Ende September d. J. unser Sekretär mit Sr. Exzellenz dem Landespräsidenten R. von Bleyleben in Czernowitz über die unerhörten Ausschreitungen und Brandartikel des „Bukowiner Volksblatt" pflog, dieser hohe Funktionär die Versicherung erteilt hatte, daß die Czernowitzer Staatsanwaltschaft vom Justizministerium bereits den Auftrag erhalten habe, gegen diese wüsten Hetzereien energisch einzuschreiten. Der Ton, den das Blatt noch am 6. Dezember gegen die Juden anschlug, beweist nun, daß entweder Herr von Bleyleben mangelhaft informiert war, oder daß die C zernowitzer Staatsanwaltschaft sich an den Auftrag des Justizministeriums nicht kehrte. Es ist daher in den Tat-