Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 12 (12.1908)
- Date
- 1908-12-01
- Page
- Seite 12 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Wie muß man doch da die früheren Zeiten preisen! Da fiel es keinem jüdischen jungen Manne ein, ledig bleiben zu wollen, oder dem eigenen Stamme untreu zu werden, oder gar ein bloßer Mitgiftjäger zu sein. Was er suchte, war gute Abstammung und vornehme, religiöse Gesinnung, und sie waren glücklich und zufrieden. Allerdings, man wird einwenden, die früheren Zeiten waren nicht so erwerbsschwierige. Lächerlich! Unsere guten Väter haben unter viel schwierigeren Verhältnissen geheiratet — aber sie waren fleißiger, ernster und vor allem bescheidener. Darum waren sie auch glücklicher und zufriedener. Aber heute, welche Unbescheidenheit, Wie will man da sogleich ohne Fleiß und Ernst groß, geachtet und geehrt dastehen! Das ist unmöglich. Fanget klein, bescheiden an, seid fleißig und ernst, sitzet nicht tage- oder gar nächtelang in Wirts- und Kaffeehäusern und Ihr werdet Freude am Leben und an Eueren Häusern finden. Geht hin und heiratet selbst arme jüdische Mädchen, so sie nur vornehmer Gesinnung, edler Denkungsart sind, und Ihr werdet treue Priesterinnen, edle Gattinnen, Förderer Eueres Wohlstandes, brave, zärtliche Mütter Euerer Kinder in ihnen finden. Und es ist gewiß nicht richtig, die so oft gehörte und gedankenlos nachgesprochene Behauptung, die armen Mädchen wären in der Ehe anspruchsvoller. Der gute, brave, seine Frau zärtlich liebende Gatte wird stets den Einfluß in seinem Hause besitzen, seine Frau zur Bescheidenheit, zu Ernst und Fleiß anzuregen. Nach dem Dargelegten wird man aber einbekennen müssen, daß da endlich Wandel geschaffen werden muß, soll nicht unserem Volkstume dauernder, ja vernichtender Schaden zugefügt werden. Denn, wenn einmal unseren Mädchen, auch den ärmeren unter ihnen, nicht mehr Gelegenheit geboten ist, Häuser in unserer Mitte zu begründen, dann hat das Judentum aufgehört zu sein, dann sind geschwunden unsere schönen, allseits gepriesenen Familienhäuser, verloren die Stätten so viel beseligenden Glückes. Wir haben uns dann selber die Schuld zuzuschreiben, wenn wir unsere jüdischen Mädchen verlieren, die wahrlich Ehre, Achtung und unsere Unterstützung verdienen. Denn trotz der sehr oft fast hoffnungslosen Aussicht auf die Begründung eines Ehestandes sind unsere Mädchen sittlich rein und keusch geblieben, und gehören uneheliche Geburten zu den größten Seltenheiten in unseren Matrikeln. Mögen dies alles unsere jüdischen jungen Leute bedenken, dann werden sie es als eine sittliche Pflicht erachten, sich endlich auf sich selber zu besinnen. Mögen sie erwägen, ob es. nicht eine schwere Schädigung für sie, ja selbst für ihre An-