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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-12-01 · 12 (12.1908) · p. Seite 10

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
12 (12.1908)
Date
1908-12-01
Page
Seite 10 (sequence 12)
Language
German
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10 leicht, bei uns Juden aber werden diese Schwierigkeiten*noch durch tatsächlich eingetretene unhaltbare Verhältnisse, an denen zum großen Teile die Verirrungen eines Teiles der männlichen jüdischen Jugend, aber auch eine irreligiöse Erziehung von Seiten der Eltern Schuld tragen, vermehrt. Da vor allem jener große Teil von Junggesellen, der du ich verschiedenartige, niemals stichhältige Umstände in diesen widernatürlichen, man darf ruhig sagen, fast unsittlichen, angeblichen Einsamkeitsvorteil sich hineingelogen hat. Wahrlich, wenn es eine Genugtuung gewährte, so wäre es die, daß ja schließlich alle diese alt gewordenen Herrchen, wenn einmal ihr ihnen liebgewordenes Verhältnis in die Brüche geht, sich verlassen, vereinsamt fühlen, und daß schließlich alle einmal tiefe Reue über ihr verpfuschtes Leben empfinden, die sich namentlich bei zunehmendem Alter in einer griesgrämigen Zerfahrenheit, in Verbitterung und in einer ans Komische streifenden Verbissenheit zeigt. Und wie könnte es auch anders sein'! Kennen sie denn das veredelnde Gefühl einer treuen Gattenliebe, wissen sie etwas von jener beglückenden Seligkeit, welche Väter empfinden, welche an der fortschreitenden Entwicklung ihrer Kinder sich laben? Oder ahnen sie auch nur den Hochgenuß eines trauten Heimes? Mit nichten. Und doch wie viele von ihnen wären in der Ehe glückliche, zufriedene Menschen geworden! Ein weiterer großer Teil der jüdischen männlichen Jugend i^eht dadurch der Judenheit verloren, daß er, wahrlich nicht immer von sittlichen Motiven getrieben, Andersgläubige ehelicht. Wir sind gewiß die letzten, die auch nur im entferntesten Andersgläubige etwa damit herabwürdigen wollen. Aber ist, ja kann es richtig sein, wenn jüdische junge Leute, die aus sehr braven und guten Häusern heiraten könnten, hingehen und oftmals sehr minderwertige andersgläubige Mädchen heiraten, während ein andersgläubiger junger Mann nur äußerst selten und auch nur dann ein jüdisches Mädchen heiratet, wenn sie eine sogenannte „fette Partie" ist! Und daß solche .Mischehen, und mögen diese Mädchen selbst zum Judentum übertreten, fast ausnahmslos nicht glücklich sind, es auch nicht sein können, ist eine in Tausenden von Fällen erhärtete Tatsache. Denn noch immer bietet die gleiche religiöse Erziehung, die gleiche Abstammung eine weit sicherere Gewähr häuslichen Glückes, trauten, innigen Familienanschlusses, als all die Motive, die zu jenen Mischehen geführt haben. Häufig, das weiß man ja, waren es keine anderen als die, daß das jüdische Mädchen sittlich vollkommener, besser gewesen und nicht in Liebeständeleien sich eingelassen hat, die eben eines jüdischen Mädchens unwürdig sind.

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