Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 12 (12.1908)
- Date
- 1908-12-01
- Page
- Seite 9 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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9 Böhmen und Mähren zu beschränken. Denn es kann hierdurch in weiten Kreisen der Bevölkerung die Ansicht hervorgerufen werden, daß der konfessionelle Boykott, der übrigens auch in Böhmen und Mähren von beiden nationalen Seiten vielfach gegen die Juden geübt wird, nicht strafbar und dessen Duldung durch die Justizbehörden statthaft sei. Eure Exzellenz haben vom Leiter des Justizministeriums Mitteilung über dessen Verfügungen gegen den nationalen Boykott erbeten. Wir stellen die Bitte, Eure Exzellenz wolle geneigtest auch über jene Maßnahmen Mitteilungen einholen, die vom Justizministerium zur Verhütung des konfessionellen Boykotts im ganzen Reiche getroffen wurden." Ein ernstes Problem. Es gibt Probleme, auf deren Wichtigkeit man eigentlich nicjit genug hinweisen kann. Ein solches, das uns Juden ganz besonders interessieren sollte, ist das unserer Töchter, der j ü ä i s c h e n Mädchen. Denn wer nicht von einem engbegrenzten Gesichtswinkel aus die Stellung des jüdischen Mädchens in unserer gesellschaftlichen Schichtung betrachtet, wird ein bekennen müssen: Hier liegt ein Problem vor, das unbedingt über kurz oder lang zu einer religiösen, sozialen und, wenn man's so will — auch nationalen Katastrophe für uns Juden führen muß. Das jüdische Mädchen, ehedem der Stolz, die Augenweide, die Hoffnung und Zukunft jüdischer Eltern, ist heute für dieselben ein Kind banger Sorge, zitternder Furcht, ja fast zu einer Quelle des Schmerzes geworden. Nicht mit Unrecht! Denn eine auch nur halbwegs gesicherte Versorgung unserer Töchter wird von Tag zu Tag für jüdische Eltern schwieriger. Wohl hat der Ruf nach Emanzipation, nach Selbständigmachung unserer Töchter, auch unsere Kreise bereits mächtig ergriffen, aber damit ist eine Beseitigung der Schwierigkeiten dieses Problemes nicht geschaffen worden. Denn die Selbständigmachung unserer Mädchen mag ja vielleicht für eine gewisse Zeit ein Behelf zur selbständigen Beschaffung der täglichen Bedürfnisse dienen, eine eigentliche dauernde Lösung unserer Mädchenfrage ist durch sie nicht gegeben. Denn das eigentliche Ziel eines jeden Mädchens ist die Heirat, die Fähigkeit, Haus und Familie zu begründen. Dieses Ziel aber zu erreichen, ist heutzutage für einen großen Teil jüdischer Mädchen, namentlich der mittleren und armen Schichten, überaus erschwert. Gewiß ist bei dem faktisch vorhandenen Überschusse von Mädchen auch die Verehelichung andersgläubiger Mädchen nicht