Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 11 (11.1908)
- Date
- 1908-11-01
- Page
- Seite 22 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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22 Antisemitischer Mag in einer Sommerfrische. Am 24. September hat unser Rechtsschutzbureau an das Ministerium des Innern folgende Beschwerde gerichtet: „Nach einer uns von Herrn Dr. Max Bernhardt, Verteidiger in Strafsachen, Wien, VI., Mariahilferstrasse 75, zugekommenen Mitteilung sind in dem Dorfe Oberort -Tragöss, Bezirkshauptmannschaft Bruck a. d. M., sämtliche dem Bedürfnisse der Sommergäste dienenden Strassenbänke mit nachstehender Inschrift versehen, die auf besonders angenieteten Blechplatten angebracht ist: „Für Juden und Judensprösslinge kein Platz!" Gegen diesen groben Unfug hat Herr Dr. Max Bernhardt schon die Strafanzeige bei der Gemeindevorstehung und an die Bezirkshauptmannschaft erstattet, ohne dass dieselbe bisher von Erfolg begleitet gewesen wäre. Wir erheben deshalb gegen die Zulassung dieses Unfuges, resp. gegen die Nichterledigung der eingebrachten Anzeige gegen die k. k. Bezirkshauptmannschaft Bruck a. d. Mur Beschwerde und stellen die Bitte: Das hohe k. k. Ministerium wolle der genannten Bezirkshauptmannschaft die sofortige Abstellung dieses Strasse nunfuges auftragen und uns von der Erledigung dieser Beschwerde geneigtest verständigen" Das Ministerium hat im Wege der Grazer Statthalterei die erbetenen Weisungen erteilt. Korrespondenzen. Prag. (Philipp Falkowicz.) Wieder ist einer der Besten aus der hiesigen jüdischen Gemeinschaft, mitten in seiner noch rüstigen Schaffenskraft, dahingegangen. Kais. Rat Philipp Falkowicz ist am 8. d. M. nach einem Leben, an Inhalt und Arbeit reich, dahingeschieden. Vom fernen Osten war er vor etwa einem Vierteljahrhundert nach Prag gekommen, ausgerüstet mit ungewöhnlichen geistigen Fähigkeiten, umfassender Bildung und hinreissender Beredsamkeit, nicht minder aber mit warmer Empfindung für alles Schöne und Gute; und >o gelang es ihm, der in seinem Berufe als Generalrepräsentant der „Fonciere" mit den weitesten Kreisen in Berührung kam, auch in kurzer Zeit einen ersten Platz sich in der Gesellschaft und insbesondere in der israelitischen Gemeinde Prags zu erringen. Der Verblichene war eines der eifrigsten Mitgieder der Kultusgemeinderepräsentanz, Direktionsmitglied des israelitischen Knabenwaisenhauses, Obmann des Verwaltungsausschusses des Kaiser Franz Joseph-Jubiläumstempels und