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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-11-01 · 11 (11.1908) · p. Seite 18

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
11 (11.1908)
Date
1908-11-01
Page
Seite 18 (sequence 23)
Language
German
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18 Seit zwei Jahren war Jakob Stern Untersuchungshäftling des Rzeszower Gerichtes. Er soll den Bauer Grigor ermordet haben. Zuerst hat ihn das Schwurgericht wegen Mordes zum Tode durch den Strang verurteilt. Der Oberste Gerichtshof hat das Urteil aufgehoben und eine neuerliche Verhandlung angeordnet. Und siehe da, die zweite Jury, die aus zwölf Christen bestand, hat, trotzdem genau dieselben Beweise vorlagen wie in der ersten Verhandlung, Jakob Stern einstimmig freigesprochen. Aber der gebrochene Greis wurde nicht freigelassen. Der Staatsanwalt hat den zwölf christlichen Volksrichtern keinen Glauben geschenkt und die Verfolgung hat von neuem begonnen. Zunächst wurden die Entlastungszeugen wegen falscher Zeugenaussage — trotzdem ihr Verteidiger ihre volle Unschuld nachgewiesen hat — zu mehreren Monaten Gefängnis verurteilt. Diese Verurteilung wurde nun dazm benützt, dem arg gequälten Stern zum drittenmal den Prozess zu machen. Aber diesesmal lautete die Anklage, trotzdem das Beweismaterial dasselbe geblieben war, nicht mehr auf vorsätzlichen Mord, sondern nur auf Todschlag und Jakob Stern wurde zu vier Jahren schweren Kerkers mit einem Pasttag an jedem 24. April verurteilt. Dieses Urteil hat auch der Oberste Gerichtshof bestätigt. Jakob Stern ist nun tot. Auf dem Sterbebette, nachdem er die Widduj, das Schuldbekenntnis, abgelegt hat, stiess er nock röchelnd hervor : „Ich trete vor Gott hin, ich bin unschuldig an dem Morde Grigors!" und dann hauchte er seine arme Seele aus. Das Wahlrecht der bosnischen Juden. Reichs-Finanzminister Baron B u r i a n hat in seinen Aeusserungen in den Delegationen vergessen, der zu der einheimischen Bevölkerung Bosniens und der Herzegowina zählenden S p a n i o- 1 en zu erwähnen. Es sind nur drei konfessionelle G r u p p en als Wahlkurien aufgestellt worden, die Moslims, Serben und Katholiken. Die Judenschaft wurde nicht als besondere vierte Kurie in Betracht gezogen. Am 8. d. M. traf eine aus 31 Mitgliedern bestehende Deputation der sephardischen (spaniolischen) Juden aus Bosnien und der Herzegowina hier ein, um dem Kaiser ihre Huldigung darznbringen und dem Reichs-Finanzminister Baron B u r i a n ein Memorandum zu überreichen, in welchem für die spaniolischen Juden bei Feststellung der Wahlordnung für den bosnisch-herzegowinischen Landtag die gleichen Rechte verlangt werden, welche den drei anderen Konfessionen des Landes gewährt wurden. Die Deputation, unter Führung des 78jährigen Präsidenten der sephardischen Kultusgemeinde, Salomon Efendi Salom, wurde am 11. d. M. vom Kaiser empfangen. Auf die Ansprache des Sprechers, Bankier Josua K. Salom, erwiderte der Kaiser:

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